Unser Geldsalon vom 8.12.18

Rückschau des Salons
Thema „Geld“, 14 Teilnehmer
Der Salon fand wieder bei mir statt u. ich erwartete sogar noch ein paar mehr
Teilnehmer, aber krankheitsbedingt haben mehrere kurzfristig abgesagt.
Jaro hielt an dem Abend einen Impulsvortrag rund um das Geldsystem, den
Ihr hier einsehen könnt : https://jarogruber.blogspot.com/
Der Vortrag kam gut an u. veranlasste uns zu vielfältigen Nachfragen und
Anmerkungen. Leider schweiften wir zu oft u. umfangreich ab in Richtung Geopolitik
und grundsätzlichen politischen Themen. Wie schon desöfteren im Salon, so traten auch
hier wieder 2 Pole (mit mehreren Anhängern) auf, die wir mal beidseitig-ironisch als
Verschwörungstheoretiker und Mainstreamgläubige bezeichnen wollen.
„Parasitäres Geldsystem“ und  „imperiale Geopolitik“ auf der einen Seite u. „Erfolgsmodell“,
„individuelle Verantwortung / Dankbarkeit“ auf der anderen Seite. Interessanter Weise zeigt
sich diese Widersprüchlichkeit teilweise auch in den Teilnehmer selbst. So kann z.B. ich in
beiden Seiten Wahrheitsgehalte feststellen.
Regine erzählte von Ihren Erfahrungen mit Anlage in Cryptowährungen, die in der Runde
eher kritisch gesehen wurden.
Angesichts der erwähnten Reichstumskonzentration, Verschuldungsquoten, Sozialabbau, drohender
Bargeldabschaffung wurde das Thema „Geld“ im Salon eher pessimistisch gesehen.
Früher selbst äußerst pessimistisch in Bezug auf das Finanzsystem, so wollte ich gerade in Hinblick
auf die Innovation „Cryptowährungen“ Optimismus verbreiten. Was mir nicht gelang :-). Die meisten
sahen dahinter noch mehr Kontrolle, Betrugspotenzial u. Energieverschwendung.
Unsere Geld-Hypnose
Für mich war interessant, wie eng die Vorstellung von Geld in der Runde war. Geld wird immer noch
ausschließlich als „Tauschmittel“ , „Bewertungsmaßstab“ u. „Speichermedium“ gesehen, um die klassische
3er-Funktion zu zitieren. Der Debitismus würde noch die politische Dimension des Autoritätaktes „Geld durch
einseitien staatlichen Zwang“ sehen, was aber den Fatalismus noch stärkt.
Mein Optimismus wiederum speist sich aus den heutigen technischen Möglichkeiten, die die Geldfrage extrem öffnen.
Und zwar hinsichtlich der Geldvehikel (vielgestaltigste digitale Einheiten), der Souveränität (dezentrale, selbstbestimmte Geldsysteme möglich)
und der Resourceneinbindung (alle möglichen Ressourcen können erschlossen werden: Zeit, Bewertungen, Kundenbindung, Information, Zuverlässigkeit,
Aufmerksamkeit…..).
Das Chinesische Sozial-Punkte-System, das jetzt umgesetzt wird, 2020 flächendeckend, wird jede Regung jedes Bürgers registrieren u. bewerten.
Dies ein Realität werdender Albtraum, der einen die Begeisterung für digitale Austauschsysteme (neben Cryptowährungen auch SmartContracts u. DAOs=
digital-automatisierte Unternehmen, quasi eine Bündelung von SmartContracts, ohne Mitarbeiter) nehmen kann.
Trotzdem werden digitale Innovationen uns die Möglichkeit eröffnen in einer (Geld)Realität anzukommen, in der wir mehr Möglichkeiten, mehr Wohlstand,
mehr Lebensqualität, mehr Mitbestimmung haben werden. In der die digitale Gerechtigkeitslücke (Kunst, Journalismus, Wissen werden trotz Mehrwert für die
Nutzer verramscht) geschlossen wird, Anreize für Win-Win-Lösungen geschaffen werden, Rückmeldungssysteme die Rücksichtslosigkeit unseres heutigen
Finanzsystems eindämmen u. jeder noch so abgehängtes Prekariatsmitglied oder Drittweltlandbauer an Ressourcensysteme angeschlossen sein wird.
Wir werden nicht mehr 1 Geldsystem haben, mit den „Währungshütern“ in Gestalt von allmächtigen Zentralbankern, die in verschwurbelten Pressemeldungen
über das Wohl u. Wehe unserers Finanzsystems entscheiden, 1 Geldsystem, in dem wir alle Gefangene sind als Politiker, Bürger, Steuerzahler, Sparer.
Wir werden eingebunden sein an so vielen Teil- u. Subsystemen, wie wir mögen u. aktiv sein können. Wir können sie verändern, anpassen u. zusammen mit
anderen neue gründen.
Ein Grundeinkommen, über das wir leider im Salon gar nicht gesprochen haben, wird im neuen Zeitalter der Ressourcenerschließung, Kommunikation und Anpassung
kein großes Ding sein. Wir werden viele verschiedene Kanäle haben, abgesehen von der „Materiewirtschaft“ wie Essen u. Wohnen wird Wirtschaft ohnehin immer mehr Information u. Kommunikation sein. Interessant dabei, dass ohnehin diese „Materiewirtschaft“ innerhalb des Finanzsystems immer unbedeutender wird und das Wachstum sich im Digitalen abspielt.
Die von mir geplanten Salon-Spielgeldsystemen für den Abend habe ich unvollständig vorbereitet u. es war auch nicht
unbedingt die Stimmung in der Runde diese zusammen zu entwickeln. Also blieben die verschiedenen Spielgeldstapeln unangetastet.
Vielleicht passiert es ein andermal, ich hätte große Lust darauf, dass wir praktisch „Geldsystem“ spielen. 🤗
Eine gewisse Baustelle bei diesem u. weiteren Salons in der Zukunft sehe ich in der Ausbalancierung verschiedener Energien.
Die Energien der Selbstdarstellung, des Rechthaben-Wollens, der Rhetorik müssen eingehegt werden zugunsten Einbindung der leisen Stimmen
und ruhiger Reflexion. Bin da als Moderator nicht die Idealbesetzung, bei der Kompromissfindung zwischen Struktur und Freiheit finde ich mich selbst zu passiv.
Das werden wir hoffentlich weiterentwickeln.
Hoffe die Zusammenfassung findet Ihr inspirierend
Alfred

So war der Ehrlichkeitssalon

Liebe Salon-Freunde,

unser neuer Salon steht an, Ihr seid herzlich eingeladen :
am 12.11.2018, 19 Uhr
Thema „Schuld und Verantwortung“
Ort: bei mir , bitte vorher anmelden.

Dieser Salon ist sozusagen die Fortsetzung vom letzten mal („Ehrlichkeit“).
Beim letzten Salon am 17.10.18 waren wir 8 Leute.  Unten findet Ihr eine kleine Zusammenfassung.

Gerne weise ich noch auf folgende Termine hin:

Sa, 3.11. und So, 4.11. Einführungsseminar in die  friedensgenerierende Kommunikation von Bernd Bötel (Bernd war auch beim Salon da; mir gefällt der Name sehr, als Alternative zur gewaltfreien Kommunikation, wer sich für das Seminar interessiert – > bernd.boetel[at] fairnetz.org
5.11. , 18 Uhr Gründungstreffen für die Mü.Vernetzung Sozialer Enterpreneure (weitere Infos gerne bei mir)
6.11. , 19 Uhr Mikroplastik in Bayerischen Gewässern
10. – 13.11.  18. Münchner Wissenschaftstage.de

Herzliche Grüße
Alfred

Zus.fassung vom Ehrlichkeitssalon am 17.10.18

Was ist echt / ehrlich ?
  • Warum man  lügt : 1.Vorteile , 2.Nachteile vermeiden, 3.Verantwortung;  zu 2,) Schamgefühl, Hilflosigkeit (Bernd´s Exitstrategie : Rückbindung zum eigenen Gefühl, GFK), Mangel an Selbstreflexion; Wie kann man ehrlich sein, wenn man sich schämt oder sich hilflos fühlt? zu 3.) Lügen aus Verantwortung : z.B. Kinder, alte Eltern, der Lügner verpackt die „Wahrheit“ damit sie bewältigt werden kann
  • soziale Funktion der Lüge: was ist gewonnen , wenn man ständig „die Wahrheit“ sagt ?
  • Point of no Return -> Verstrickung der Lügen
  • „temporäre Wahrheit“ / subjektives Empfinden vs. objektive Wahrheit; hier ergab sich eine lebhafte Diskussion : „postmoderner Relativismus“ vs. „überkommener Wahrheits- u. Moralbegriff“
  • Wahrheitsveranlagung ist ein weites Spektrum, unmittelbare Ist-Äußerungen (Autisten, kleine Kinder), bis zu charakterlichen/krankhaften Lügnern (Pseudologie, Psychopathen)
  • große Typologie der Lüge (siehe engl. Wikipediaeintrag: https://en.wikipedia.org/wiki/Lie#Types
  • der Mensch als gespaltenes Wesen, positiv formuliert, ein komplexes Wesen mit vielen Rollen u. Anforderungen
  • Ringmodell des Vertrauens (innerer Kreis von Familie/Vertrauten -> Mensch, äußere Kreise ggü. Fremden -> Persona/Rollen; kann auch komplett umgedreht sein in autoritären / dysfunktionalen Familien
  • ges./polit. Dimension: wollen wir belogen werden ? Massenpsychologie, Manipulation, Technische Mögl.keiten (deep fakes); Soltschenizin über Totalitarismus: die Lüge zieht sich durch jedes Individuum
  • Kernfrage „was ist die Konsequenz der Wahrheit bzw. Lüge“ -> Verantwortung; Rückkopplung zur eigener Psyche, Verantwortung ggü. dem gesellschaftlichen „Bewusstseinsfeld“

Unser Fazit :

Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, daß er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen. – Max Frisch

Salon mit dem HALLO – Projekt

Erster Salon nach der Sommerpause

Am 13. September ging es  wieder mit einem Salon weiter, aktuelles Thema „Kontakt u. Kultur“ . Wir waren zu Gast im Büro vom Hallo-Projekt, im Social Impact Lab in der Balanstraße. Als ich mich vor 2 Wochen mit Lisi traf (wir haben uns über Project Together kennengelernt) hat sie mir davon erzählt, dass es bei ihrem Projekt darum geht Senioren u. internationale Leute  zusammenzubringen. Wir kamen auf die Idee einen gemeinsamen Salon zu veranstalten.

Insgesamt waren wir 13 Leute. Unsere Teilnehmer kamen aus folgenden Ländern : Deutschland, Türkei, Bangladesh, Indien, Kolumbien, Argentinien. Hier kam also ein großer Erfahrungsschatz aus verschiedenen Ländern zusammen.

Wir tauschten uns aus über Kontaktverhalten, Freundschaften, Familien, Einsamkeit, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Vereinzelung, Rolle der neuen Medien („Smartphone“), Mann-Frau-Kontakt.

Unser Salon zu Gast beim Hallo-Projekt
 Impulsreferate

Nach einer Vorstellungsrunde hielten  Paula („Kommunikation als Mittel der Gemeinschaftsbildung“) u. Kerstin („Studien über Isolation/Vereinsamung in westl. Gesellschaften“) 2 Impulsreferate:

Unterscheidung Isolation (objektive Kontaktsituation innerhalb einer demographischen Vergleichsgruppe) u. Einsamkeit (subjektives Gefühlsempfinden). In Studien kam heraus, dass die Vereinzelung u. Vereinsamung deutlich zunahmen. Der unmittelbare Kontakt wird weniger: weniger Gespräche, weniger Gesprächszeit, weniger Treffen, weniger Einladung.; besondere Vereinsamung von Senioren; Gründung eines Einsamkeitsministeriums in Großbritannien; Phänomen des Hikikomori in Japan; weniger verlässliche „Notfallkontakte“; psychologische Gefährdung ab 2 Stunden Soziale Medien pro Tag; verzerrte Wahrnehmung (Selbst-, Fremdbilder u. Kontakt) durch Soziale Medien,

Unserer internationale Erfahrungsaustausch

großer Unterschied des Kontaktverhaltens zwischen Stadt u. Land; Smartphone u. soziale Medien haben in allen Ländern das Kontaktverhalten (zum negativen) verändert; Gesprächskultur im Westen, insb. Deutschland, insb. München ist sehr „effzient“, „sachlich“ u. unsere internationalen Besucher finden es schwer Kontakt zu knüpfen. Sie meinten, man müsse mehr Zeit investieren, um Freundschaften einzugehen, aber auch, dass sie die Freundschaften dann aber auch als tiefer empfinden. Die Vereinsamung von Senioren nehme auch in den nicht-westlichen Ländern rasant zu.

Neben der Atomisierung sprachen wir auch davon, dass die Gesellschaften inhomogener werden, jeder immer mehr in seiner eigenen Welt-Wahrnehmung lebt. Uns Einheimische hat  überrascht, dass diese vermeintlich „westliche“ Entwicklung sich anscheinend rasend schnell auch im Rest der Welt vollzieht. Auch die tiefe Zerrissenheit der Gesellschaft, von manchen auch als Spaltung bezeichnet, vollzieht sich auch in anderen Ländern. Dabei waren die Berichte aus Argentinen (seit 2 Jahren in einer sozialen u. politischen Krise) u. Türkei (die fortschreitende Entdemokratisierung; immer mehr Ehen, Familien u. Freundschaften zerbrechen daran) besonders eindrückliche Beispiele.

Unser Schlußwort

Neben all dem Trennenden, gibt es jedoch mehr Verbindendes u. wir wollen dies kultivieren. Vielleicht ergeben sich aus unserem Salon heraus auch private Kontakte, mal schauen !

Alfred Weiß

 

Landtagskandidaten diskutieren Social Business

Social Business in München

Öffentliche Treffen von Social Enterpreneuren (Macher, die sich vorgenommen haben, gesellschaftliche Notwendigkeiten mit unternehmerischen Mittel zu lösen) finden in München soviel ich weiß seit 2 Jahren statt, ca. alle 2 Monate. Sie werden über die Plattform Meetup u. Facebook angekündigt. Neben dem Interessenverband Send e.V. gibt es noch das bundesweite Unterstützungsprojekt Project2gether, die über Facebook sehr aktiv sind.  In München selbst gibt es noch das Impact Hub, die SEA Akademie u. das Social Impact Lab für Flüchtlinge .

Man kann also nicht sagen, dass es in München nichts gibt, aber leider hat sich noch keine dauerhafte Vernetzung ergeben, so dass ich gerne bereit bin, dabei mitzuwirken. Konkret wäre mein Beitrag z.B. eine Versorgung mit Büromöbel zusammen mit weitergeben.org vom Harald Prokscha vorstellbar.

Social Business vor der Landtagswahl

Am 11.Sept. 18 fand also wieder ein Meetup statt, diesmal in der Mü. Volkshochschule im neuen Gebäude Einstein 28 . Es wurden Landtagskandidaten verschiedener Parteien eingeladen, die über ihre Haltung zum Thema sprachen. Laut Veranstalter wurde die CSU zwar mehrmals eingeladen, aber konnte oder wollte niemand schicken.

 

Was besprochen wurde

Vernetzung der Szene wichtig, Definition u. Selbstbild schärfen, Förderdschungel lichten, nicht-monetäre Ressourcen bereitstellen, Bürokratieauswuchs im Auge behalten, Gemeinwohlökonomie verknüpfen, Politische Ansprechpartner, inklusion in Lehre+Forschung, Politik+Wirtschaft müssen sich als Partner sehen, jeder macht arbeitsteilig das beste b.d. Lösung gesellschaftlicher Probleme; Unternehmenskultur beinhaltet eine Kultur der Fehler+d. Scheiterns; Sozialenterpreneur als Hybrid; Abgrenzung zu alten Strukturen (z.B. Wohnfahrtsverbände), Ergänzung zur Profitmaximierung, moderne Form des ehrlichen+soliden Kaufmanns;

Eigene Hausaufgaben

Meiner Meinung nach liegt mit der Schärfung des Profils "was ist ein Social Enterpreneur, was ein Social Business ?" noch Hausaufgaben der Szene selber vor uns. Denn natürlich ist es jetzt schon schick "sozial" zu sein, "gesellschaftliche Verantwortung" zu übernehmen, "nachhaltig" zu wirtschaften. Wir müssen klarmachen wie man zwischen Marketing u. Substanz unterscheiden kann. Auch die viele Vorarbeit der Gemeinwohlökonomie, die ja Verantwortung messbar machen, sollte meiner Meinung nach bald in das Thema einbezogen werden.

Am Ende der Veranstaltung gab es übrigens noch für alle Getränke u. orientalische Snacks  von Über den Tellerrand kochen, vielen Dank dafür !

Salon „Political Correctness“

Nachdem der Community Bus das Kreativquartier verlassen hat u. ja auch insgesamt verkauft wird (das Busprojekt nebenher zu machen, war einfach eine Nummer zu groß für mich) brauchen wir nun neue Orte für unsere Salons. Unsere Idee war für die nä. Zeit „Salonhopping“ zu betreiben, d.h. uns abwechelnd in privaten Wohnzimmern zu treffen.

Das Wohnzimmer wurde es am 31. Juli nicht, denn wir hatten einen besseren Ort : die Terrasse von Regine. Dort trafen wir uns in kleineren Runde von 7 Leuten um über das Thema Political Correctness (PC) zu diskutieren. Dieses Thema war in Verknüpfung zum Salon „Jordan Peterson“, weil dieses Thema ja eine zentrale Rolle bei ihm einnimmt. Ausgehend von der Definition aus Wikipedia ergründeten wir die Begriffs- u. Bedeutungsgeschichte von PC. Im Gefolge der Bürgerrechtsbewegung in den USA, die gleiche Rechte für Schwarze u. andere Minderheiten einforderte, wurde eine Humanisierung, eine Sensibilisierung für die verwendete Sprache als Notwendig erachtet.

Wie bei sovielen Phänomenen war der Anfang u. ist der Kern von PC vernünftig, nachvollziehbar u. gesellschaftlich konstruktiv. Hier waren wir uns im Salon einig. Was nun die Entwicklungen der letzten Jahre betrifft, ausgehend von USA u. Kanada stimmte die meisten Salonteilnehmer bedenklich. Sprachcodes der Zeitungen, Anti-Diskriminierungstrainings für Rechtsanwälte, Verträge für Gendersprache für WissenschaftlerInnen 🙂 , sogar für die bedarfsgerechte Verwendung der 17 (?) verschiedenenen Genderpronomen in Kanada (Bill C-16) stellen schon längst eine Übertreibungsphase, die gesellschaftlich mehr schadet als nützt. Nicht zu vergessen werden darf dabei, dass die oft radikalen Befürworter inmitten einer mit Milliarden schweren Genderindustrie sitzen u. schon längst ihre Existenz mit radikalen Forderungen verknüpft haben.

Das Problem ist das zunehmende Mißtrauen u. Radiklisierung, die einen echten Diskurs zunehmend erschweren. Statt ein friedliches u. konstruktives Miteineinander findet eine Lagerbildung u. damit eine immer tiefergehende Spaltung der Gesellschaft ein. Die Sprache wird vergiftet u. damit die Kommunikation. Kein kleines Thema also. Und genau das Gegenteil der eigentlichen Intention u. somit ein klares Zeichen der Übertreibung. Wichtig ist zu schauen, dass es keinen Backlash gibt, der auch den Kern in Frage stellt, sondern zu betonen, dass dieser Kern bewahrt wird.

Konkret heißt dass, dass Selbstzensur (Moral Panic), diskursabrechende Haltungen (No-Plattforming), Diskussionsphobie (Safe-Spaces) oder die oben beschriebenen Sprachcodes, Vertragsvorgaben, Trainings zu weit gehen. Während früher der Sprecher die abwertende Botschaft bewusst einbaute, wird ihm heute von außen eine solche unterstellt. Die Denunziationsskandale an nordmerikanischen Universitäten (z.B. ´der Fall Lindsay Shephard) machen einen fassunglos. Lösungsansätze verfolgt z.B. Jonathan Haidt u. seine Heterodox Academy mit der Haltung den Diskurs zu fördern. Wichtig sei erstmal die Wahrnehmung, dass es verschiedene Moralhaltungen gibt, die für einen Diskurs u. eine gesellschaftliche Balance wichtig ist. Z.B. eine konservative Haltung zu diskreditieren ist genauso schädlich, wie die Förderung einer Meinungs-Monokultur wie sie an den linksliberalen Fakultäten zu beobachten sind.

so friedlich-korrekt, doch was schlummert da unter der Oberfläche ?
…..schau mal einer an 🙂

Salon „Warum leben wir alle so am Anschlag (gestresst)“

 

Datum 18.7.18,  18 – 23 Uhr
Ort: Vorplatz neben Halle 6, Kreativquartier
Teilnehmerzahl : 14

Jeder Teilnehmer legte einen „Stress-Gegenstand“ in die Mitte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kerstins Kurzreferat: „Wie lange Menschen gearbeitet haben – Sozialstudie“

banal, aber faszinierende Informationen gefunden
Impulsfrage für heute: Wie viel Arbeit ist gesund für die Spezies Mensch?

1. Steinzeit:

Ethnologen beobachten Nomaden, die noch wie die früheren Jäger und Sammler leben (Botswana, Australien, Amazonas) – sie arbeiten nur jeden 2. Tag für 2-6 Stunden (Haushalt schon dazugerechnet)
Annas Anregung dazu: Ur-Völker haben noch die Gabe zu sehen (die Natur zu betrachten), wir hingegen haben verlernt zu sehen, zu hören, zu erzählen. Unsere Gedanken scheinen immer auf Hochtouren zu laufen – das Gehirn braucht immer wieder neue Impulse

2. Vor-Industrielle, landwirtschaftlich geprägte Zeit:

der Arbeitszeit sind natürliche Grenzen gesetzt mit Licht und Jahreszeiten
französische Weinbauern einer bestimmten Region lagen den ganzen Winter über in den Betten, um Energie zu sparen
Arbeitszeit wurde lange ohne Uhren gemessen: Beispiel: „wenn man 2 Münzen voneinander unterscheiden kann, ist Arbeitsbeginn“ oder „wenn man Menschen auf der Straße erkennen kann…..“
Anfänge der Uhren-Nutzung: Menschen wurden auf Uhren und ihre Rolle wütend, manche zerstörten sie mit Stöcken
Kirchturmuhr wurde wichtig (ein Bürgermeister wurde ermordet, weil er die Kirchturmuhr manipuliert hatte, damit die Menschen länger arbeiten mussten)

3. Industrielle Zeit:

Verlängerung der Arbeitszeit, weil Uhren und künstliches Licht allgegenwärtig waren und weil sich die teuren neuen Maschinen amortisieren sollten
Pünktlichkeit fing an eine große Rolle zu spielen
16-Stunden-Woche war keine Seltenheit!
Folge: verkürzte Lebenserwartung (woran aber verschiedene Faktoren schuld waren)

4. Jetzt-Zeit:

Arbeitszeit hat sich verkürzt auf 35h/Woche, zuletzt wieder auf 38h und sogar 40h erhöht
In Japan gibt es ein Wort für „Tod durch Arbeit“
In Japan verbringt man sehr viel Zeit am Arbeitsplatz = große Identifizierung mit der Firma (viel davon sind aber nur Anwesenheitsstunden)
Einerseits weniger Arbeitsstunden, andererseits viel höhere Produktivität als früher; Beispiel von Jaro : Berchtesgardener Salzstollen: früher 6 cm am Tag Salz durch Arbeiter abgetragen, heute 2 m am Tag mittels Maschinen

Wenn es dunkler wird: Ruhe kehrt ein

Was im Lauf des Abends besprochen wurde:

  • Technik führt zu Zeitersparnis, die wir aber durch gesteigerte Anforderung wieder verlieren;
  • Der dt.-südkorean. Philosoph Byung-Chul Han stellt in seinem Buch „Psychopolitik – Neoliberalismus und die neuen Machttechniken“ heraus, dass die heutigen Ansprüche an unsere eigene Leistungsfähigkeit zwar von uns kommen, aber gesteuert werden.
  • Spruch: „Den meisten Stress machen wir uns selbst“
  • Buchtipp: Tommy Jaud: „Einen Scheiß muss ich“ https://www.buch7.de/store/product_details/1029685258
  • Menschen beanspruchen heutzutage viel mehr Wohnraum für sich, die Wohnungen sind viel zu groß
  • Armut in D ist relativ – man fällt weich
  • Aber: Relative Armut, d.h. Armut im Vergleich zu anderen, ist entscheidender als absolute Armut. Ungerechtigkeit macht unglücklich und krank. Menschen kommen besser damit klar, wenn alle gleichermaßen arm sind.
    Die Glücklichsten Menschen findet man in Bangladesch https://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BMZ/Die_gluecklichsten_Menschen_der_Welt_17872644.html
    Langzeitarbeitslose haben eine geringere Lebenserwartung als der Bevölkerungsdurchschnitt
  • Auch Menschen in Frührente haben eine verkürzte Lebenserwartung im Vergleich zu denen, die weiterarbeiten
    In beiden Fällen weiß man aber nicht, ob es nicht daran liegt, dass die Betroffenen arbeitslos geworden sind oder in Frührente gegangen sind, weil sie schon vorher gesundheitlich angeschlagen waren
  • Resilienz = psychische Widerstandsfähigkeit, mit Ressourcen besser umgehen können
  • Filmtipp: „The Big Lebowski“ http://www.filmstarts.de/kritiken/16463.html + https://www.imdb.com/title/tt0118715/
  • Realität kannst du dir zum Teil auch selbst machen (man stellt sich z. B. seinen Ängsten und erkennt, dass man etwas kann oder es gar nicht so schlimm ist, wie gedacht)
  • „Positives Denken“ = Trend a. d. USA, kann Leute auch unglücklich machen, wegen falschen Vorstellungen die nicht eintreffen = „Schuster bleib bei deinen Leisten“ – Ehrgeiz = Anspruch zu hoch
  • Buchtipp: Jan Fleischhauer „Alles ist besser als noch ein Tag mit dir“ https://buch7.de/store/product_details/1029647777
  • Spruch: „Wer schnell arbeitet – arbeitet nicht gerne“
  • Spruch: „Mach dein Hobby zu deinem Beruf, dann musst du nie arbeiten“
  • Schule: die Kinder lernen nicht mehr zu denken = fremdbestimmtes Denken – sie wissen nach der Schule nicht mehr, was ihre eigentlichen Stärken sind
    Tipp: Neurobiologe + Lernforscher Gerald Hüther: „Wissen kann man nicht beibringen: immer mehr Kinder in Deutschland leiden unter hohem Stress. Ich sehe das nur als Symptom eines viel größeren Problems: wir behandeln unsere Kinder wie Objekte, die man nach Wunsch formen kann.“ https://www.br.de/nachrichten/gerald-huether-kinder-100.html
  • Viele ältere Menschen haben Konflikte mit ihren Kindern
  • Viele Menschen leiden heute unter Beziehungsschwierigkeiten, Beziehungslosigkeit, Einsamkeit
  • Im 18. Jhdt wurde die romantische Literatur erfunden, Liebesheirat + klassische Rollenverteilung: Frau ist daheim bei den Kindern, Mann geht arbeiten. Jedoch waren arrangierte Ehen oftmals glücklicher als die Liebesehen. Zu viele Optionen bedeuten Stress.
    Menschen aus der Glaubensgemeinschaft der Amish haben keine Depressionen https://www.welt.de/gesundheit/article10730169/Warum-die-Amish-People-im-Alter-so-topfit-sind.html#
  • Spruch: “Glück ist nicht, zu haben was man will, sondern zu wollen, was man hat“
  • Jordan B. Peterson empfiehlt, nach Bedeutung zu streben, statt nach Glück.
  • Hochzeitstag: als der glücklichste Tag im Leben angepriesen. Von diesem Versprechen lebt vor allem eine ganze Industrie: Geschenklistenersteller, Blumenbinder, Einladungskartendrucker, Gastwirte, Kreuzfahrtreisebüroangestellte, Konditoren, Pferdekutscher und Fotobuchproduzenten
  • Schon Hans Selye, der Erfinder des Wortes Stress, unterschied zwischen gutem und schlechtem Stress
  • Spruch: „Das Leben passiert jetzt“
  • Techniker Krankenkasse definiert die Stressfaktoren so: Dauer / Intensität / persönliche Bewertung
  • Sachgesellschaft
  • Selbstverantwortung
  • Technische Geräte sollen das Leben erleichtern, aber alles schreit nach noch mehr Aufmerksamkeit – alles muss immer noch schneller gehen (Waschmaschinen – dafür viel, viel mehr Wäsche zu waschen….), Auto – Computer – mehr Wege offen, mehr Zeit investieren ins reparieren, warten, ….
  • Soll-Grenze
  • Spruch: „Optionen erzeugen Stress!!!“ + „zu viel Auswahl macht unglücklich!“
  • Spruch: „Protect me from what I want“
  • Kapitalismus: wir sind heute Unternehmer unseres eigenen Ichs
  • Heute findet Überwachung ohne Geheimdienste statt (Selbstbewertung, Bewertung in den sozialen Medien)
  • Neoliberalismus: erzeugt reine Konsumenten
  • Neues Zeitalter: leitet das Zeitalter der Erschöpfung ein
  • Gesundheitstracker: zählt die Schritte
  • Selbstausbeutung
  • Transparenz
  • Panoptikum
  • Sinnfrage: 18. Jhdt Aufklärung

Nächster Salon am 18. Juli

Liebe Saloninteressenten,
1.) am 18.Juli, 18 Uhr findet unser nä. Salon statt.
Thema : „Warum sind wir alle am Anschlag?“
Heute bin ich zufällig über das aktuelle frz.Magazin gestolpert,
das genau unsere Frage stellt „Mit welcher Geschwindigkeit wollen wir durchs Leben gehen?“
Vielleicht sind ein paar Inspirationen für den Salon drin.
sehr aktuell: welche Geschwindigkeit passt zu uns?

Da der Bus wahrscheinlich schon weg ist, haben wir bei schlechten Wetter noch keinen Plan B,
bitte sagt vorher Bescheid, wenn Ihr kommen wollt.
2.) Apropos, ich möchte morgen 10.7. am Nachmittag u. am Mi.11.7. Vormittag den Bus noch leerräumen.
Hilfe willkommen, kommt gerne vorbei !
3.) Vielleicht könnt Ihr Sachen brauchen: Thermoskannen, Kissen, Tassen……
4.) Ausserdem würde ich mich über eine Mitfahr-Begleitung freuen (Mi.11.7. Nachmittag), beim Überführen des Busses nach Weilheim (Werkstatt).
5.) Ich bekomme in nä. Zeit verschiedene Büromöbel (gut erhalten, aus einem Büro in Haidhausen), Stühle, Tische, Schränke….
schreibt mir, wenn es Euch interessiert. Kostenlos. Allerdings gegen etwas Geld falls ich es transportieren sollte.
Beste Grüße
Alfred
(Bus) Salonier
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Zäsur im Busprojekt

Hi Liebe Freunde der Bus-Idee,
 
vielleicht ist es Euch schon zu Ohren gekommen. Habe mich entschlossen den Bus wieder herzugeben u. das Projekt zumindest mit dem Bus aufzugeben.
Der Bus in der jetzigen Form macht kein Sinn, er müsste innen neu konzipiert werden, aussen schön gemacht (das war von Anfang an klar).
Technisch braucht er sehr viel Aufmerksamkeit, vielmehr als ich es von einem Diesel erwartete :-/.
ein so alter Bus ist eine Diva, kein anspruchsloses Arbeitstier
Einnahmen im Moment 0 .
Ausgaben aber stetig durch 2 Vers. u. KFZ-Steuer plus Wartungsarbeiten.
Risiko größerer Schäden (Ersatzteilproblem) im Hintergrund.
Freunde / Bekannte um mich herum zeitlich sehr am Anschlag.
Kooperation hält sich in Grenzen durch Zeitproblem, „Konkurrenzveranstaltungen“, Prioritätensetzungen.
Mit Kulturreferat länger gesprochen, für diese ist es nur interessant, wenn der Bus konzeptionell komplett da steht, kein Interesse an Aufbauarbeit u. sie kennen auch niemand, der Interesse daran hätte.
 
Die Idee ist ja nicht tot. In der Konstellation muss ich die Bremse ziehen.
 
Webseite und Facebookauftritt bleiben bestehen: es geht um die Themen #Debattenkultur #konstruktive Konfliktlösungen #Bürgerbeteiligung #Öffentlicher Raum #Social Business .
 
Unsere Salons werden wir unabhängig vom Bus weiterführen.
 
Beste Grüße
Alfred Weiß

Salon „Phänomen Jordan Peterson“

Zusammenfassung des letzten sehr diskussionsfreudigen Salons

Zeit: 26.6.18, 18 – 22 Uhr
Ort: Busplatz (im Freien), Kreativquartier
Teilnehmer: 12
Themenfelder: #PoliticalCorrectness #FreeSpeech #Diskussionskultur
#Selbstverantwortung #GelingendesLeben #Zivilisation
#Postmodernismus

viele Themen, Postmodernismus war dabei sehr im Mittelpunkt

Nach unseren 3 technischen Salons wollten wir mal wieder ein
anderes Thema hernehmen. Jordan Peterson steht insbesondere
im angelsächsischen Raum für eine sehr virulente Diskussion rund um
die Themen #Gender #Freespeech #Campuskultur #FreieForschung.
Kerstin u. ich sind von ihm in mehrfacher Hinsicht sehr angetan, denn er
ist nicht nur bei diesen Themen wichtiger, sehr mutiger Impulsgeber, die ja
Kernthemen der Debatten- u. Salonkultur betreffen.
Sondern er ist mit seinem Themen #GelingendesLeben #Mythologien #Zivilisation
auch noch von weiteren Seiten interessant.

Der Abend gestaltete sich so, dass Kerstin u. ich Hintergrundinfos lieferten,
warum er in verschiedensten Medien so präsent ist u. wir dann über seine Positionen diskutierten bzw. über ihn als öffentliche Person (insofern sich manche Salonteilnehmer vorher informierten).
Gleich vorweg, es wurde viel diskutiert, wir waren deutlich unterschiedlicher Meinung in den
verschiedenen Aspekten. Deshalb war es sehr lebendig u. das Abschweifpotenzial war auch gegeben,
was beides ein Training für einen gelingenden Salon darstellte. 😊

Das Thema Postmodernismus nahm einen sehr zentrale Rolle an unserem Abend ein.
Dieser Relativierung aller Werte durch die moderne Brille des ökonomischen u. politischen
Machtgefälle steht Peterson extrem kritisch gegenüber. Da das Prinzip der Eigenverantwortung
abgelöst wird durch einen permanenten Kampf gegen (vermeintliche) Unterdrückungsmechanismen,
nährt diese Haltung Feindseligkeit, Kollektivismus u. Opportunismus, an dessen Ende der Verlust der persönlichen (Meinungs)Freiheit
steht.
Hier klingten sich mehrere Salonteilnehmer ein, die sehr wohl politische, soziale u. ökonomische Ungerechtigkeiten sehen,
was zur vieldiskutierten Frage führte, was denn eine gerechte, linke Haltung u. Politik denn heute überhaupt bedeutete ?
Wir machten gegensätzliche u. parallele Haltungen in der Gesellschaft aus, die sehr destruktiv sind: einerseits eine selbstgerechte Moralhaltung oder egoistische Weltsicht, die eine andere Meinung kategorisch ausschließen. Andererseits eine Leistungs- u. Geldorientierung inkl.Hedonismus u. Ignoranz, die zur Diskussion gesellschaftlicher Themen keine Notwendigkeit sehen.

Weitere „Momentaufnahmen“ des Abends:

Biologische Wende (analog zur kognitiven Wende) in der Psychologie
Heterodoxie als Antwort zur Einheitsmeinung an den Unis (siehe Jonathan Haidt)
Haben wir heute relevante Philosophen ? (Sloterdijk, Precht, Drewermann)
„Die Realität ist den linken Begriffen weggelaufen“
Ulrich Greiner : Heimatlos – Bekenntnisse eines Konservativen
Pascal Bruckner : Der Schuldkomplex (der westlichen Welt ), Alain Finkielkraut
wir sollen nicht Begrifflichkeiten von AFD&Co übernehmen
Die heutige Sprachsensibiliät ist sehr wohl ein Fortschritt
Was macht ein Medium heute glaubwürdig? (ideologisierter Diskurs, Alternative Fakten, Filterblase)
Harald Schmidt als Kabarett-Ikone des Postmodernismus
„Konsensfaschismus“ des Westens
1945 u. 1990 als epochale Ereignisse, die noch immer unser Denken prägen
Wirklichkeit insb. soziale Konstrukte sind kompliziert, aber nicht beliebig

Salon am 15.06.2018 – Digitale Prokrastination

Wir hatten einen schönen Abend mit 15 Teilnehmern. Das Wetter lies es wieder zu, dass wir gemütlich bis in die Dämmerung hinein draußen sitzen konnten. Nachfolgend findet Ihr die Zusammenfassung der besprochenen Inhalte.  Wir hatten das Thema „Digitale Prokrastination“ (also das Aufschieben von wichtigendigitalen Themen, die man eigentlich angehen sollte).
Vielen Dank an Kathrin u. Janina für die gute Zusammenfassung !

Wir stimmten ab, welche Themen wir intensiver behandeln sollen

Statements / Themen:

  • Cloud ist hilfreich, um mit mehreren Menschen an gemeinsamem Projekt zu arbeiten
  • wir hinterlassen ständig viele Datenspuren im Netz → es ist möglich, „Gesinnungsprofile“ über den Nutzer zu erstellen; Horrorszenario: Nutzung dieser Profile durch ein faschistisches System oder Diktatur
  • es gibt viele alternative Suchmaschinen und am Ende „googelt“ man trotzdem wieder
  • „wenn du dabei sein willst“, musst du dich nach den Algorithmen richten
  • Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) seit 25.5.18 in Kraft → große Belastung für Einzelunternehmer, Selbständige und kleine Betriebe
  • nach DSGVO kommt nun das Leistungsschutzgesetz
  • Technologien bergen viele Chancen und sind grundsätzlich neutral;
    es kommt darauf an, wie man sie nutzt bzw. welche Interessen dahinter stehen (z.B. kostenlose Dienste bezahlen wir mit unseren Daten)
  • WhatsApp ist wie trojanisches Pferd
  • Katrin bekommt gerade Druck von der Schule ihrer Kinder, da sie einen WLAN-Nutzungsvereinbarung nicht unterschreiben möchte, der im Zuge der neuen DSGVO erstellt werden musste. Kurz zusammengefasst: die Schule soll für alle Vorkommnisse ent-, die Eltern dafür für alles belastet werden (inklusive Rechtsanwalt, …). Hier ein Auszug:
    • Die Authentifizierung im WLAN erfolgt durch Passphrase ohne Kennwort
    • Die kabellose Datenübertragung erfolgt unverschlüsselt
    • Der Nutzer sorgt für einen stets aktuellen Virenschutz auf seinem Gerät
    • Bei rechtswidriger Verwendung des WLAN durch den Nutzer oder aufgrund seiner Billigung ist die Schule von sämtlichen Ansprüchen Dritter freizustellen, insbesondere datenschutzrechtliche, urheberrechtliche oder sonstigen rechtlichen Streitigkeiten. Verletzt der Nutzer die Vereinbarung erheblich und nachhaltig ist die Schule berechtigt, den Ersatz für entstandene Kosten, insbesondere auch Rechtsanwaltskosten vom Nutzer bzw. den Erziehungsberechtigten einzufordern.
    • Ich (Mutter) bestätige, dass ich die Nutzungsvereinbarung mit meinem Kind durchgegangen bin. Über die Pflichten und rechtlichen Konsequenzen, die auf mich als Sorgeberechtigten zukommen können, bin ich informiert. (das Kind soll einen ähnlichen Satz unterschreiben)
      = die Kinder sind 11 Jahre + 15 Jahre alt!
  • Passwörter über Software verwalten oder analog auf Papier?
  • Konkrete Gefahren durch Erpressungen durch Hacker (z.B. Krankenhaus)
  • Internet muss weg von der Monopolisierung und dezentralisiert werden – viele Leute im Silicon Valley fordern dies bereits
  • Amazon als Chance: angehende Autoren finden bessere Konditionen als bei Verlagen; bei begehrten Artikeln drängt Amazon die Händler vom Markt und bietet Produkt selbst an
  • manche Internetseiten werden nicht angezeigt, wenn man nicht der Verwendung von Cookies zustimmt
  • es gibt bereits unterschiedliche Preise im Online-Handel, je nachdem, wer die Seite besucht (z.B. Apple-User erhalten höheren Preis)
  • Macht von Facebook, z.B. Wahlmanipulation; Auftritt von Zuckerberg im Europaparlament
  • China: Schulen messen mit Kameraüberwachung die Aufmerksamkeit der Schüler; Vergabe von Bonuspunkten im Social Credit System, wenn man seine Eltern regelmäßig besucht schon Realität oder noch Fiktion?
    Systematische Belohnung bei Kindern führt dazu, dass sie ohne Gegenleistung nichts mehr machen wollen
    Belohnungen untergraben die intrinsische Motivation
  • Große Chance: Online-Plattformen als gelebte Demokratie
  • Human Connection als Alternative zu Facebook kämpft ums Überleben; es wurden bereits große Geldmengen investiert

konkrete Tipps, Hinweise, Infos, Alternativen:

Impulsreferat von Kerstin:

Ist der Missbrauch unserer Daten eine über- oder unterschätzte Gefahr?

Wer hat Erfahrungen oder kennt jemanden, der durch Datenmissbrauch geschädigt wurde?

Einwertung in Kategorien: wahrscheinlich / schlimm