Zusammenfassung des Salons vom 28. Mai 2019 „Anfänge der westlichen Philosophie“

Dieser Salon fand wetterbedingt nicht im Englischen Garten statt, sondern bei mir.
Regine hat mich schon früh gewarnt, und 2 Tage vorher war es klar: es wird schlechtes Wetter geben.
Damit haben wir den Abend so verbracht, wie schon die letzten Monate : bei mir zuhause in West-Schwabing.
Diesmal waren wir 9 Leute, wir lasen über die Anfänge der Philosophie; wie erwartet kamen wir nicht weit, weil wir viele Anmerkungen hatten 🙂
Bergwald am Tegernsee
Ein Highlight für mich gibt es immer schon am Anfang, wenn wir uns nicht nur vorstellen, sondern auch berichten, was einen jeden
von uns beschäftigt. Muss es jedes mal wieder berichtigen, am Anfang der Salonreihe machte ich den Fehler, die Gäste aufzufordern
von ihren „Projekten“ zu erzählen. Das führte dazu dass viele eingeschüchert waren und dachten, es interessieren nur  pompöse Projekte 😀. Dabei geht es nur darum zu erfahren, was uns alles so beschäftigt und wo es Schnittpunkte geben könnte.
Diesmalige war es auch wieder eine vielfältige Interessenslage: Jordan Peterson, alternative Energiegewinnung, ein Buch über E-Learning
schreiben, VHS-Kurse zu Digitalen Kursen geben, Bilder malen, Metereologie und Erdhüllenbeschaffentheit, einen 200jahre-alten Bauernhof als Seminarort betreiben https://www.tillishof.de/
, Boden+Samenforschung, Urlaub im brasilianischen Urwald, Zukunftsmuseum in Rio de Janeiro, DokFest München, Nachbarschaftsfest, FEATS-Theaterfestival
in Ottobrunn, Fasten, Flüchtlingshilfe, Social Business Meetup, AI+Cultural Impact, Brauereiführung, Datenschutz in der Kinderpsychotherapie……
Weiß nicht wie es Euch geht, aber diese Vielfalt und der Austausch hebt bei mir immer die Stimmung 🤗.
Zum Thema, anfänglich besprachen wir unser persönliches Verhältnis zur Philosophie.
Es stellte sich heraus, dass 3  Leute aus unserer Runde Philosophie studiert haben und immerhin 3 Leute haben „Sophies Welt“ gelesen.
Diese 2 Kreise haben keine Überschneidung :-).
Weitere persönliche Bezüge:
  • „Das Wesen des Christentum“ von Ludwig Feuerbach als Befreiung von Religion,
  • „Mathematik als bleibende Wissenschaft“,
  • intensive Beschäftigung mit Marxismus da allg.Utopie-Versprechen der 60+70er Jahre,
  • „wer nicht denkt , muss leiden“,
 
Kinder- und Jugendfragen der Teilnehmer:
  • Wie kommt es, dass ich bin ?
  • Wie bin ich entstanden ?
  • Was ist Unendlichkeit ? (machte ihm als Kind Angst, sagte ein Teilnehmer)
  • Was kommt nach dem Tod ? (machte einem anderen Gast als Kind Angst)
  • Warum beschäftigen sich die Erwachsenen mit soviel Unwichtigem ?
  • Stimmt es was die Religion sagt über Gott, Sünde und Leben nach dem Tod ?
  • Kann es sein, dass die Erwachsenen auch keine Ahnung haben ?
Das Buch „Geschichte der Philosophie“  von Christoph Helferich
3 Teilnehmer haben schon vorher in dem Buch gelesen. Hier übrigens eine hilfreiche Rezension : http://www.glanzundelend.de/Artikel/abc/h/christoph-helferich-geschichte-der-philosophie.htm
Ehrlich gesagt…….schafften wir nur 3 oder 4 Seiten zu lesen……immerhin mit Einleitung („lese ich sonst nie….. „).
Was bei mir hängenblieb :
Philosophie ist eine „Einladung“ zum Selberdenken, man soll sich nicht von der Materialfülle oder Kompliziertheit einschüchtern lassen;
die verschiedenen Philosophischen Sichtweisen sind immer im Zusammenhang mit der Zeitgeschichte zu sehen,
von den Ereignissen, techn.Möglichkeiten, Gesellschaftsordnung, Bedürfnissen; Philosophie als Ur-Wissenschaft, die Fragen nach den Zusammenhängen;
 Philosophie als Geburtsstunde des hinterfragenden Geistes; Naturwissenschaften, Technik, Metaphysik waren früher noch sehr verschmolzen;
vor der Philosophie herrschte das Mythologisches Denken: die Welt wurde als eine gesamte Erzählung verstanden, sehr ganzheitlich, sinnhaft, es gab einen
Kosmos von Kräften, die von menschen- und  tierähnlichen Göttern beherrschaft wurde; der Autor betonte, dass dieses mythologisches Denken nicht
mit „irrational“ gleichgesetzt werden darf, weil es damals absolut sinnhaft war so zu denken, es hatte Bezug zur damaligen Ordnung und dem damaligen Alltag.
Für mich persönlich ist die Philosophie so attraktiv, so sexy 😎😀😗😘 💓 weil : sie niemals altert, weil sie die Wissenschaften zusammenführt und eine Synthese schaffen will,
weil sie soviele Blickwinkel hat wie es Wissenschaften, Sinne und Gedanken gibt, weil sie davon lebt zu hinterfragen, weil wir Menschen uns mit „42“ nicht zufrieden geben, weil Philosophie immer weiter will, sie uns Freiheit gibt, die  über gegenwärtige Begrenzungen und Unterdrückung hinausführt.

Zusammenfassung des „Fail-Salons“ am 27. April 2019

8 Teilnehmer, Salon bei mir in West-Schwabing
 
Es ging zunächst um die Geschichte der Fuck-Up Nights (FUN):
Ursprung in Mexiko 2012, Selbstdefinition als „Global Movement“ auf der Seite
www.fuckupnights.com , dort mit folgenden aktuellen Zahlen
80 Länder, 304 Städte, 1.578 Vorträge, 190.000 Teilnehmer.
Das sind nur die Zahlen über die offizielle Seite, natürlich
gibt es noch viele nicht-registrierte Veranstaltungen. Diese Kernorganisation
gründete 2014 das FAILURE INSTITUTE.
Alfred besuchte schon vor ein paar Jahren 2 Veranstaltungen, es ging damals um Scheitern von Jungen Unternehmern, war sehr gut besucht und strahlte eine eigene Kraft aus.
Er recherchierte die aktuelle Situation in München:
heute gibt es die Agile Failure Night (1.Event 29.11.18), die HR Failure night („keinen Bock mehr auf best cases“, letztes Event Jan.2019),
Epic Fail Night Munich („Schöner Scheitern“, letztes Event Sept.2018, Epic Fail Night Filmfest München („Fail meets the Art“, letztes Event Juni 2017) und nicht
zuletzt das offizielle Chapter https://fuckupnights.com/munich (#4 am 26.Juni 2019 in der IHK München ! 🙂
Wie immer hat der Salon seine eigene Dynamik und so wussten wir nicht, wie die Runde mit dem Thema umgeht.
Tatsächlich war das persönliche Scheitern im Sinne von persönlicher Reflektion nicht der Mittelpunkt, was eine Teilnehmerin
mit einem gewissen Bedauern quittierte. Im Mittelpunkt unseres Salons stand das Scheitern als psychologisches und gesellschaftliches Phänomen.
Scheitern ist relativ: das war der zentrale Punkt unseres Salons: die Auffächerung wie relativ Erfolg bzw. Scheitern ist
– zur gesellschaftl. Konvention: was der Zeitgeist gerade als erfolgreich u. erstrebenswert definiert; gesellschaftlicher Status zu jeder Zeit
– zur jeweilig eigenen Vorstellung (was die Familie und das Umfeld einen vorgegeben (manchmal leider „eingetrichtert“) hat -> gelungene Reifung: mit Selbstbewusstsein UND den eigenen Stärken UND Schwächen die eigenen Lebensziele verfolgen; nicht gelungen: mit Defizit-Gefühl eine fixe Idee verfolgen;
– die Vorstellung eines individuellen Lebensweges ist recht jung (vielleicht 50-200 Jahre), früher (und in vielen kollektiv geprägten Kulturen heute noch) hat das Individuum die Erwartung und Aufgaben des Clans zu erfüllen; heute noch : Stichwort „Ehre“
– unsere Vorstellungen der Welt und von richtig/falsch sind so stark kulturell geprägt, was wir aber immer wieder vergessen, Europa/Westen ist so klein! (Jürgen)
– zur zeitweiligen eigenen Vorstellung (Momentaufnahme) : hier kamen aus der Runde viele Beispiele was wir früher für Ziele hatten, wie wir (gottseidank) gescheitert sind dass wir dadurch andere=bessere Wege einschlugen oder daran gereift sind; Zitat „Wen die Götter bestrafen wollen, den erfüllen sie ihre Wünsche“ (d.h.man wächst mit den eigenen Aufgaben und mit den Rückschlägen u. frühe Erfolge nähren die Selbstüberschätzung und Ansprüche an das Leben) (Kerstin) ; buddh.Geschichte vom zeitweiligen Scheitern/Unglück, die sich später als Glücksfall/Erfolg erwies (Will); „wer weiß für was es gut ist“
Weitere Aspekte
– „Manchmal sind die Ziele nicht klug“ (im Sinne von eigener Überforderung) (Kerstin)
– wie konstruktiv z.B. behinderte Menschen mit ihrer Situation umgehen (Will)
– Scheitern als zentrales Motiv in der Kunst: Literatur, Film etc.; uns interessiert das Scheitern anderer Menschen, wir sind fast besessen davon : Gerüchte, Sensationsjournalismus
– das führt zur Frage : was ist ein Held ? Antwort: widrige Startschwierigkeiten; bereit sich dem Leben zu stellen; Entscheidungsfreiheit weise/mutig nutzen; Reifung der Angst/des Egos zur „größeren Persönlichkeit“, Einsatz für etwas Größeres ; ein Held ist jemand der das Scheitern transformiert
Verantwortung als neue Ebene : wir können persönlich scheitern (z.B.bei einer fixen Idee), aber es geht immer weiter: Kinder, Familie, Freunde, Arbeitnehmer, Geschäftspartner…..
d.h.wir dürfen im Scheitern nicht steckenbleiben (es kann eh ein Ego-Projekt sein), sondern müssen wieder zur Gegenwart und Zukunft zurückkehren; wichtig z.B. bei Sucht
– Scheitern als Normalfall  Amerikanische Unternehmenskultur : jeder gestandene Unternehmer ist schonmal gescheitert und steht dazu
– Erfolg als öffentliche Wahrnehmungsverzehrung (Survival Bias) : wir kennen die Google-Apple-Facebook-Geschichten zur Genüge, aber wer redet von den viel zahlreicheren Mitbewerber, die nicht überlebten ?
– Scheitern als Normalfall 2: 90 % der Startups gehen pleite, das wissen alle Risiko-Investoren
– Jordan Peterson : eine gesunde Gesellschaft  ist eine Gesellschaft, in der die Fähigen und Fleißigen weiterkommen; er hält den Westen deswegen für insgesamt gesund (Kerstin)
– Scheitern als Normalfall 3: hinter jedem Erfolg stehen fast immer 1000 Rückschläge (siehe Biografien von Künstler, Erfinder, Naturwissenschaftler, Unternehmer)
– Wir müssen unseren Kindern den Umgang mit Rückschlägen lehren / vorleben, trotzdem Weitermachen, Modewort Resilienz
 
Hier enspann sich eine lebhafte Diskussion : ungerechte Startschwierigkeiten diskutieren u. abschwächen (Stichwort: Armut, Bildung, prekäre Familienverhältnisse); Ungerechtigkeit wird es immer geben ! Ja, aber der Kampf dagegen muss auch immer sein ! Den Kindern ist aber nicht gedient, wenn man sie erzieht in dem Verständnis, dass man die Verantwortung immer nach außen abschiebt (schlechte Note -> der Lehrer ist schuld !)
 
– Selbstmord als ultimatives Scheitern ?
– Wir sitzen alle im gleichen, schicksalhaften Boot des Lebens -> Solidarität
„Das letzte Wort haben die Biochemiker“ (genialer Ausspruch, halb-ernst gemeint) : Zufriedenheit/Glück bzw. Depression/Gescheitert-Sein findet nicht außen statt, sondern im Kopf;
Buddhismus, Meditation, Prozac
– Persönliche Bilanzfragen eines Salonteilnehmers: war ich glücklich, habe ich anderen geschadet ?
– Erfolgreiche Menschen, sind Menschen, die mit Rückschlägen besser (d.h.konstruktiver) umgehen können (->Modewort „Resilienz“)

– Scheitern als Bestandteil eines Dialogs mit dem Leben !

Tod in der Machbarkeitsgesellschaft

Zusammenfassung Salon „Tod in unserer Machbarkeitsgesellschaft“
am 27.2.2019, bei mir in West-Schwabing, insg. 13 Teilnehmer
 
Auch wenn der Titel eher philosophisch-distanziert klang, so haben wir uns auf einer
sehr persönlichen Ebene ausgetauscht. Es hat sich im Salon bewährt von der persönlichen
Ebene auszugehen. Eine philosophisch-allgemeine Ebene kann dazu kommen, aber
der persönliche Ausgangspunkt fördert den Zugang zueinander u. verhindert ein allzu leichtes Abgleiten
ins Abstrakt-Beliebige.
Insofern schimmerte der Titel nur sehr leicht durch am Abend mit kleinen Ausflügen in Richtung
Silicon Valley u. ihr Kampf gegen den Tod, Transhumanismus und digitales Weiterleben.
Wir streiften das Thema „Organverpflanzung“ und Phänomene der Verbindung und Entfremdung zwischen
Toten und Überlebenden.
Der Kern des Abends waren aber unsere persönlichen Zugänge zum Thema: Heide-Marie war zum ersten
Mal beim Salon und war mutig genug von der Nachtod-Kommunikation mit ihrer sehr nahestehenden, sich selbst getöteten
Nichte zu berichten. Sie hatte dies vorgelesen. Der Text handelten von den seelischen Dilemmata, ihr Verhältnis zu
den Lebenden und Toten u. ihrer Entwicklung. Ich persönlich fand es nachvollziehbar u. zugänglich, obwohl ich selbst
keine ähnlichen Erfahrungen machte. In der Runde berührte diese Selbsterfahrung, wobei auch von einem Salongast
betont wurde, dass sie dies nicht nachvollziehen konnte. Obwohl viele kritische Operationen überlebend, dominiert bei ihr
immer noch ihre familäre Sichtweise des baren Materialismus.
Das ist das was ich mitgenommen habe, der Tod hat für jeden von uns so unterschiedliche Bedeutung, mehrere auch für uns
selbst und widersprüchlich. Der Tod ist also wie das Leben selbst ein Phänomen u. kann nicht mit einem Motto, mit einem positiven
oder negativen Fazit abgeschlossen werden. Es wurde berichtet von Verwandten, die friedlich einschliefen obwohl sie nicht
religiös waren, aber auch von schrecklichen Sterbeprozessen. Überhaupt wurde unterschieden zwischen Sterben und Tod. Sterben macht Angst,
der Tod nicht so sehr. Keine Angst vor dem Tod, der Standard-Satz des modernen Menschen, aber ist das auch ehrlich ? Warum ist es
üblich seine Angst vor dem Tod zu leugnen ? Sind wir wirklich so abgeklärt ? Wir fanden heraus, dass der Tod ein Motor ist für uns, wir
wollen etwas hinterlassen, wir wollen die Welt verbessern, unseren Nachkommen einen besseren Planeten hinterlassen. Aber warum machen wir angesichts
der eigenen Begrenztheit soviel destruktiv, banales, egostisches ? Zumindest liegt dann keine gesunde Mischung vor. Wir brauchen diese Mischung aus „Memento Mori“
und gesunder Verdrängung. Vielen Salon-Gästen lag dieser Spruch auf der Lippe über das Paradoxon des gesunden Lebens, ich hoffe der Spruch von Gandhi geht in die
gemeinte Richtung (google sei dank :-): Lebe, als würdest du morgen sterben. Lerne, als ob du ewig leben solltest. – Mahatma Gandhi
Apropos Paradoxon, Andreas erwähnte den Roman von Simon de Beauvoir „Alle Menschen sind sterblich“ in der die Unsterblichkeit der Hauptfigur zu einem großen Lebensüberdruß führte, weil sich alles wiederholt, weil paradoxerweise erst die Begrenztheit des Lebens zur Wertschätzung führt, so die Aussage des Buches.
 
Die Durchlässigkeit zwischen Leben und Tod im Gegensatz zur verankerten Vorstellung von Entweder-Oder wurde sehr eindrucksvoll von Andrea beschrieben, über ihren Abschied zu ihrer dementen Mutter. Der Tod fängt einerseits früher an, aber die geistige Verbindung hält andererseits auch über den Tod an. Kann anhalten. Je nach Veranlagung, je nach Einstellung.
Vielleicht haben wir auch alle unterschiedliche Aufgaben im Leben und damit auch im Zus.hang mit dem Tod.
 
Ein überraschend großen Anteil am Salon-Abend nahm das Thema Verabschiedungs-Beerdigungs-Rituale ein. Es wurde von gelungenen und auch misslungenen Beerdigungen berichtet. 
Fazit war: wir brauchen persönliche u. authentische Rituale ! Die Zeiten, in denen ein neutrales Ritual und ein unbekannter Priester Trost spendet, sind vorbei. Wir sehnen uns nach Beziehung, nach einer persönlichen Note, nach einem Austausch.

Unser Geldsalon vom 8.12.18

Rückschau des Salons
Thema „Geld“, 14 Teilnehmer, 19.00 bis 23.30 Uhr, bei mir in West-Schwabing.
Der Salon fand wieder bei mir statt u. ich erwartete sogar noch ein paar mehr
Teilnehmer, aber krankheitsbedingt haben mehrere kurzfristig abgesagt.
Jaro hielt an dem Abend einen Impulsvortrag rund um das Geldsystem, den
Ihr hier einsehen könnt : https://jarogruber.blogspot.com/
Der Vortrag kam gut an u. veranlasste uns zu vielfältigen Nachfragen und
Anmerkungen. Leider schweiften wir zu oft u. umfangreich ab in Richtung Geopolitik und grundsätzlichen politischen Themen.

Wie schon desöfteren im Salon, so traten auch hier wieder 2 Pole (mit mehreren Anhängern) auf, die wir mal beidseitig-ironisch alsVerschwörungstheoretiker und Mainstreamgläubige bezeichnen wollen.“Parasitäres Geldsystem“ und  „imperiale Geopolitik“ auf der einen Seite u. „Erfolgsmodell“,“individuelle Verantwortung / Dankbarkeit“ auf der anderen Seite. Interessanter Weise zeigt sich diese Widersprüchlichkeit teilweise auch in den Teilnehmer selbst. So kann z.B. ich in beiden Seiten Wahrheitsgehalte feststellen.

Regine erzählte von Ihren Erfahrungen mit Anlage in Cryptowährungen, die in der Runde eher kritisch gesehen wurden. Angesichts der erwähnten Reichstumskonzentration, Verschuldungsquoten, Sozialabbau, drohenderBargeldabschaffung wurde das Thema „Geld“ im Salon eher pessimistisch gesehen. Früher selbst äußerst pessimistisch in Bezug auf das Finanzsystem, so wollte ich gerade in Hinblick auf die Innovation „Cryptowährungen“ Optimismus verbreiten. Was mir nicht gelang :-). Die meisten sahen dahinter noch mehr Kontrolle, Betrugspotenzial u. Energieverschwendung.

Unsere Geld-Hypnose
Für mich war interessant, wie eng die Vorstellung von Geld in der Runde war. Geld wird immer noch ausschließlich als „Tauschmittel“, „Bewertungsmaßstab“ u. „Speichermedium“ gesehen, um die klassische
3er-Funktion zu zitieren. Der Debitismus würde noch die politische Dimension des Autoritätaktes „Geld durch einseitigen staatlichen Zwang“ sehen, was aber den Fatalismus noch stärkt.
Mein Optimismus wiederum speist sich aus den heutigen technischen Möglichkeiten, die die Geldfrage extrem öffnen.
Und zwar hinsichtlich der Geldvehikel (vielgestaltigste digitale Einheiten), der Souveränität (dezentrale, selbstbestimmte Geldsysteme möglich)
und der Resourceneinbindung (alle möglichen Ressourcen können erschlossen werden: Zeit, Bewertungen, Kundenbindung, Information, Zuverlässigkeit,Aufmerksamkeit…..).
Das Chinesische Sozial-Punkte-System, das jetzt umgesetzt wird, 2020 flächendeckend, wird jede Regung jedes Bürgers registrieren u. bewerten.
Dies ein Realität werdender Albtraum, der einen die Begeisterung für digitale Austauschsysteme (neben Cryptowährungen auch SmartContracts u. DAOs=
digital-automatisierte Unternehmen, quasi eine Bündelung von SmartContracts, ohne Mitarbeiter) nehmen kann.
Trotzdem werden digitale Innovationen uns die Möglichkeit eröffnen in einer (Geld)Realität anzukommen, in der wir mehr Möglichkeiten, mehr Wohlstand,
mehr Lebensqualität, mehr Mitbestimmung haben werden. In der die digitale Gerechtigkeitslücke (Kunst, Journalismus, Wissen werden trotz Mehrwert für die Nutzer verramscht) geschlossen wird, Anreize für Win-Win-Lösungen geschaffen werden, Rückmeldungssysteme die Rücksichtslosigkeit unseres heutigen Finanzsystems eindämmen u. jeder noch so abgehängtes Prekariatsmitglied oder Drittweltlandbauer an Ressourcensysteme angeschlossen sein wird.
Wir werden nicht mehr 1 Geldsystem haben, mit den „Währungshütern“ in Gestalt von allmächtigen Zentralbankern, die in verschwurbelten Pressemeldungen über das Wohl u. Wehe unserers Finanzsystems entscheiden, 1 Geldsystem, in dem wir alle Gefangene sind als Politiker, Bürger, Steuerzahler, Sparer.
Wir werden eingebunden sein an so vielen Teil- u. Subsystemen, wie wir mögen u. aktiv sein können. Wir können sie verändern, anpassen u. zusammen mitanderen neue gründen.
Ein Grundeinkommen, über das wir leider im Salon gar nicht gesprochen haben, wird im neuen Zeitalter der Ressourcenerschließung, Kommunikation und Anpassung
kein großes Ding sein. Wir werden viele verschiedene Kanäle haben, abgesehen von der „Materiewirtschaft“ wie Essen u. Wohnen wird Wirtschaft ohnehin immer mehr Information u. Kommunikation sein. Interessant dabei, dass ohnehin diese „Materiewirtschaft“ innerhalb des Finanzsystems immer unbedeutender wird und das Wachstum sich im Digitalen abspielt.
Die von mir geplanten Salon-Spielgeldsysteme für den Abend habe ich unvollständig vorbereitet u. es war auch nicht
unbedingt die Stimmung in der Runde diese zusammen zu entwickeln. Also blieben die verschiedenen Spielgeldstapeln unangetastet.
Vielleicht passiert es ein andermal, ich hätte große Lust darauf, dass wir praktisch „Geldsystem“ spielen. 🤗
Eine gewisse Baustelle bei diesem u. weiteren Salons in der Zukunft sehe ich in der Ausbalancierung verschiedener Energien.
Die Energien der Selbstdarstellung, des Rechthaben-Wollens, der Rhetorik müssen eingehegt werden zugunsten Einbindung der leisen Stimmen
und ruhiger Reflexion. Bin da als Moderator nicht die Idealbesetzung, bei der Kompromissfindung zwischen Struktur und Freiheit finde ich mich selbst zu passiv.
Das werden wir hoffentlich weiterentwickeln.
Hoffe die Zusammenfassung findet Ihr inspirierend
Alfred

So war der Ehrlichkeitssalon

Liebe Salon-Freunde,

unser neuer Salon steht an, Ihr seid herzlich eingeladen :
am 12.11.2018, 19 Uhr
Thema „Schuld und Verantwortung“
Ort: bei mir , bitte vorher anmelden.

Dieser Salon ist sozusagen die Fortsetzung vom letzten mal („Ehrlichkeit“).
Beim letzten Salon am 17.10.18 waren wir 8 Leute.  Unten findet Ihr eine kleine Zusammenfassung.

Gerne weise ich noch auf folgende Termine hin:

Sa, 3.11. und So, 4.11. Einführungsseminar in die  friedensgenerierende Kommunikation von Bernd Bötel (Bernd war auch beim Salon da; mir gefällt der Name sehr, als Alternative zur gewaltfreien Kommunikation, wer sich für das Seminar interessiert – > bernd.boetel[at] fairnetz.org
5.11. , 18 Uhr Gründungstreffen für die Mü.Vernetzung Sozialer Enterpreneure (weitere Infos gerne bei mir)
6.11. , 19 Uhr Mikroplastik in Bayerischen Gewässern
10. – 13.11.  18. Münchner Wissenschaftstage.de

Herzliche Grüße
Alfred

Zus.fassung vom Ehrlichkeitssalon am 17.10.18

Was ist echt / ehrlich ?
  • Warum man  lügt : 1.Vorteile , 2.Nachteile vermeiden, 3.Verantwortung;  zu 2,) Schamgefühl, Hilflosigkeit (Bernd´s Exitstrategie : Rückbindung zum eigenen Gefühl, GFK), Mangel an Selbstreflexion; Wie kann man ehrlich sein, wenn man sich schämt oder sich hilflos fühlt? zu 3.) Lügen aus Verantwortung : z.B. Kinder, alte Eltern, der Lügner verpackt die „Wahrheit“ damit sie bewältigt werden kann
  • soziale Funktion der Lüge: was ist gewonnen , wenn man ständig „die Wahrheit“ sagt ?
  • Point of no Return -> Verstrickung der Lügen
  • „temporäre Wahrheit“ / subjektives Empfinden vs. objektive Wahrheit; hier ergab sich eine lebhafte Diskussion : „postmoderner Relativismus“ vs. „überkommener Wahrheits- u. Moralbegriff“
  • Wahrheitsveranlagung ist ein weites Spektrum, unmittelbare Ist-Äußerungen (Autisten, kleine Kinder), bis zu charakterlichen/krankhaften Lügnern (Pseudologie, Psychopathen)
  • große Typologie der Lüge (siehe engl. Wikipediaeintrag: https://en.wikipedia.org/wiki/Lie#Types
  • der Mensch als gespaltenes Wesen, positiv formuliert, ein komplexes Wesen mit vielen Rollen u. Anforderungen
  • Ringmodell des Vertrauens (innerer Kreis von Familie/Vertrauten -> Mensch, äußere Kreise ggü. Fremden -> Persona/Rollen; kann auch komplett umgedreht sein in autoritären / dysfunktionalen Familien
  • ges./polit. Dimension: wollen wir belogen werden ? Massenpsychologie, Manipulation, Technische Mögl.keiten (deep fakes); Soltschenizin über Totalitarismus: die Lüge zieht sich durch jedes Individuum
  • Kernfrage „was ist die Konsequenz der Wahrheit bzw. Lüge“ -> Verantwortung; Rückkopplung zur eigener Psyche, Verantwortung ggü. dem gesellschaftlichen „Bewusstseinsfeld“

Unser Fazit :

Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, daß er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen. – Max Frisch

Salon mit dem HALLO – Projekt

Erster Salon nach der Sommerpause

Am 13. September ging es  wieder mit einem Salon weiter, aktuelles Thema „Kontakt u. Kultur“ . Wir waren zu Gast im Büro vom Hallo-Projekt, im Social Impact Lab in der Balanstraße. Als ich mich vor 2 Wochen mit Lisi traf (wir haben uns über Project Together kennengelernt) hat sie mir davon erzählt, dass es bei ihrem Projekt darum geht Senioren u. internationale Leute  zusammenzubringen. Wir kamen auf die Idee einen gemeinsamen Salon zu veranstalten.

Insgesamt waren wir 13 Leute. Unsere Teilnehmer kamen aus folgenden Ländern : Deutschland, Türkei, Bangladesh, Indien, Kolumbien, Argentinien. Hier kam also ein großer Erfahrungsschatz aus verschiedenen Ländern zusammen.

Wir tauschten uns aus über Kontaktverhalten, Freundschaften, Familien, Einsamkeit, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Vereinzelung, Rolle der neuen Medien („Smartphone“), Mann-Frau-Kontakt.

Unser Salon zu Gast beim Hallo-Projekt
 Impulsreferate

Nach einer Vorstellungsrunde hielten  Paula („Kommunikation als Mittel der Gemeinschaftsbildung“) u. Kerstin („Studien über Isolation/Vereinsamung in westl. Gesellschaften“) 2 Impulsreferate:

Unterscheidung Isolation (objektive Kontaktsituation innerhalb einer demographischen Vergleichsgruppe) u. Einsamkeit (subjektives Gefühlsempfinden). In Studien kam heraus, dass die Vereinzelung u. Vereinsamung deutlich zunahmen. Der unmittelbare Kontakt wird weniger: weniger Gespräche, weniger Gesprächszeit, weniger Treffen, weniger Einladung.; besondere Vereinsamung von Senioren; Gründung eines Einsamkeitsministeriums in Großbritannien; Phänomen des Hikikomori in Japan; weniger verlässliche „Notfallkontakte“; psychologische Gefährdung ab 2 Stunden Soziale Medien pro Tag; verzerrte Wahrnehmung (Selbst-, Fremdbilder u. Kontakt) durch Soziale Medien,

Unserer internationale Erfahrungsaustausch

großer Unterschied des Kontaktverhaltens zwischen Stadt u. Land; Smartphone u. soziale Medien haben in allen Ländern das Kontaktverhalten (zum negativen) verändert; Gesprächskultur im Westen, insb. Deutschland, insb. München ist sehr „effzient“, „sachlich“ u. unsere internationalen Besucher finden es schwer Kontakt zu knüpfen. Sie meinten, man müsse mehr Zeit investieren, um Freundschaften einzugehen, aber auch, dass sie die Freundschaften dann aber auch als tiefer empfinden. Die Vereinsamung von Senioren nehme auch in den nicht-westlichen Ländern rasant zu.

Neben der Atomisierung sprachen wir auch davon, dass die Gesellschaften inhomogener werden, jeder immer mehr in seiner eigenen Welt-Wahrnehmung lebt. Uns Einheimische hat  überrascht, dass diese vermeintlich „westliche“ Entwicklung sich anscheinend rasend schnell auch im Rest der Welt vollzieht. Auch die tiefe Zerrissenheit der Gesellschaft, von manchen auch als Spaltung bezeichnet, vollzieht sich auch in anderen Ländern. Dabei waren die Berichte aus Argentinen (seit 2 Jahren in einer sozialen u. politischen Krise) u. Türkei (die fortschreitende Entdemokratisierung; immer mehr Ehen, Familien u. Freundschaften zerbrechen daran) besonders eindrückliche Beispiele.

Unser Schlußwort

Neben all dem Trennenden, gibt es jedoch mehr Verbindendes u. wir wollen dies kultivieren. Vielleicht ergeben sich aus unserem Salon heraus auch private Kontakte, mal schauen !

Alfred Weiß

 

Landtagskandidaten diskutieren Social Business

Social Business in München

Öffentliche Treffen von Social Enterpreneuren (Macher, die sich vorgenommen haben, gesellschaftliche Notwendigkeiten mit unternehmerischen Mittel zu lösen) finden in München soviel ich weiß seit 2 Jahren statt, ca. alle 2 Monate. Sie werden über die Plattform Meetup u. Facebook angekündigt. Neben dem Interessenverband Send e.V. gibt es noch das bundesweite Unterstützungsprojekt Project2gether, die über Facebook sehr aktiv sind.  In München selbst gibt es noch das Impact Hub, die SEA Akademie u. das Social Impact Lab für Flüchtlinge .

Man kann also nicht sagen, dass es in München nichts gibt, aber leider hat sich noch keine dauerhafte Vernetzung ergeben, so dass ich gerne bereit bin, dabei mitzuwirken. Konkret wäre mein Beitrag z.B. eine Versorgung mit Büromöbel zusammen mit weitergeben.org vom Harald Prokscha vorstellbar.

Social Business vor der Landtagswahl

Am 11.Sept. 18 fand also wieder ein Meetup statt, diesmal in der Mü. Volkshochschule im neuen Gebäude Einstein 28 . Es wurden Landtagskandidaten verschiedener Parteien eingeladen, die über ihre Haltung zum Thema sprachen. Laut Veranstalter wurde die CSU zwar mehrmals eingeladen, aber konnte oder wollte niemand schicken.

 

Was besprochen wurde

Vernetzung der Szene wichtig, Definition u. Selbstbild schärfen, Förderdschungel lichten, nicht-monetäre Ressourcen bereitstellen, Bürokratieauswuchs im Auge behalten, Gemeinwohlökonomie verknüpfen, Politische Ansprechpartner, inklusion in Lehre+Forschung, Politik+Wirtschaft müssen sich als Partner sehen, jeder macht arbeitsteilig das beste b.d. Lösung gesellschaftlicher Probleme; Unternehmenskultur beinhaltet eine Kultur der Fehler+d. Scheiterns; Sozialenterpreneur als Hybrid; Abgrenzung zu alten Strukturen (z.B. Wohnfahrtsverbände), Ergänzung zur Profitmaximierung, moderne Form des ehrlichen+soliden Kaufmanns;

Eigene Hausaufgaben

Meiner Meinung nach liegt mit der Schärfung des Profils "was ist ein Social Enterpreneur, was ein Social Business ?" noch Hausaufgaben der Szene selber vor uns. Denn natürlich ist es jetzt schon schick "sozial" zu sein, "gesellschaftliche Verantwortung" zu übernehmen, "nachhaltig" zu wirtschaften. Wir müssen klarmachen wie man zwischen Marketing u. Substanz unterscheiden kann. Auch die viele Vorarbeit der Gemeinwohlökonomie, die ja Verantwortung messbar machen, sollte meiner Meinung nach bald in das Thema einbezogen werden.

Am Ende der Veranstaltung gab es übrigens noch für alle Getränke u. orientalische Snacks  von Über den Tellerrand kochen, vielen Dank dafür !

Salon „Political Correctness“

Nachdem der Community Bus das Kreativquartier verlassen hat u. ja auch insgesamt verkauft wird (das Busprojekt nebenher zu machen, war einfach eine Nummer zu groß für mich) brauchen wir nun neue Orte für unsere Salons. Unsere Idee war für die nä. Zeit „Salonhopping“ zu betreiben, d.h. uns abwechelnd in privaten Wohnzimmern zu treffen.

Das Wohnzimmer wurde es am 31. Juli nicht, denn wir hatten einen besseren Ort : die Terrasse von Regine. Dort trafen wir uns in kleineren Runde von 7 Leuten um über das Thema Political Correctness (PC) zu diskutieren. Dieses Thema war in Verknüpfung zum Salon „Jordan Peterson“, weil dieses Thema ja eine zentrale Rolle bei ihm einnimmt. Ausgehend von der Definition aus Wikipedia ergründeten wir die Begriffs- u. Bedeutungsgeschichte von PC. Im Gefolge der Bürgerrechtsbewegung in den USA, die gleiche Rechte für Schwarze u. andere Minderheiten einforderte, wurde eine Humanisierung, eine Sensibilisierung für die verwendete Sprache als Notwendig erachtet.

Wie bei sovielen Phänomenen war der Anfang u. ist der Kern von PC vernünftig, nachvollziehbar u. gesellschaftlich konstruktiv. Hier waren wir uns im Salon einig. Was nun die Entwicklungen der letzten Jahre betrifft, ausgehend von USA u. Kanada stimmte die meisten Salonteilnehmer bedenklich. Sprachcodes der Zeitungen, Anti-Diskriminierungstrainings für Rechtsanwälte, Verträge für Gendersprache für WissenschaftlerInnen 🙂 , sogar für die bedarfsgerechte Verwendung der 17 (?) verschiedenenen Genderpronomen in Kanada (Bill C-16) stellen schon längst eine Übertreibungsphase, die gesellschaftlich mehr schadet als nützt. Nicht zu vergessen werden darf dabei, dass die oft radikalen Befürworter inmitten einer mit Milliarden schweren Genderindustrie sitzen u. schon längst ihre Existenz mit radikalen Forderungen verknüpft haben.

Das Problem ist das zunehmende Mißtrauen u. Radiklisierung, die einen echten Diskurs zunehmend erschweren. Statt ein friedliches u. konstruktives Miteineinander findet eine Lagerbildung u. damit eine immer tiefergehende Spaltung der Gesellschaft ein. Die Sprache wird vergiftet u. damit die Kommunikation. Kein kleines Thema also. Und genau das Gegenteil der eigentlichen Intention u. somit ein klares Zeichen der Übertreibung. Wichtig ist zu schauen, dass es keinen Backlash gibt, der auch den Kern in Frage stellt, sondern zu betonen, dass dieser Kern bewahrt wird.

Konkret heißt dass, dass Selbstzensur (Moral Panic), diskursabrechende Haltungen (No-Plattforming), Diskussionsphobie (Safe-Spaces) oder die oben beschriebenen Sprachcodes, Vertragsvorgaben, Trainings zu weit gehen. Während früher der Sprecher die abwertende Botschaft bewusst einbaute, wird ihm heute von außen eine solche unterstellt. Die Denunziationsskandale an nordmerikanischen Universitäten (z.B. ´der Fall Lindsay Shephard) machen einen fassunglos. Lösungsansätze verfolgt z.B. Jonathan Haidt u. seine Heterodox Academy mit der Haltung den Diskurs zu fördern. Wichtig sei erstmal die Wahrnehmung, dass es verschiedene Moralhaltungen gibt, die für einen Diskurs u. eine gesellschaftliche Balance wichtig ist. Z.B. eine konservative Haltung zu diskreditieren ist genauso schädlich, wie die Förderung einer Meinungs-Monokultur wie sie an den linksliberalen Fakultäten zu beobachten sind.

so friedlich-korrekt, doch was schlummert da unter der Oberfläche ?
…..schau mal einer an 🙂

Salon „Warum leben wir alle so am Anschlag (gestresst)“

 

Datum 18.7.18,  18 – 23 Uhr
Ort: Vorplatz neben Halle 6, Kreativquartier
Teilnehmerzahl : 14

Jeder Teilnehmer legte einen „Stress-Gegenstand“ in die Mitte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kerstins Kurzreferat: „Wie lange Menschen gearbeitet haben – Sozialstudie“

banal, aber faszinierende Informationen gefunden
Impulsfrage für heute: Wie viel Arbeit ist gesund für die Spezies Mensch?

1. Steinzeit:

Ethnologen beobachten Nomaden, die noch wie die früheren Jäger und Sammler leben (Botswana, Australien, Amazonas) – sie arbeiten nur jeden 2. Tag für 2-6 Stunden (Haushalt schon dazugerechnet)
Annas Anregung dazu: Ur-Völker haben noch die Gabe zu sehen (die Natur zu betrachten), wir hingegen haben verlernt zu sehen, zu hören, zu erzählen. Unsere Gedanken scheinen immer auf Hochtouren zu laufen – das Gehirn braucht immer wieder neue Impulse

2. Vor-Industrielle, landwirtschaftlich geprägte Zeit:

der Arbeitszeit sind natürliche Grenzen gesetzt mit Licht und Jahreszeiten
französische Weinbauern einer bestimmten Region lagen den ganzen Winter über in den Betten, um Energie zu sparen
Arbeitszeit wurde lange ohne Uhren gemessen: Beispiel: „wenn man 2 Münzen voneinander unterscheiden kann, ist Arbeitsbeginn“ oder „wenn man Menschen auf der Straße erkennen kann…..“
Anfänge der Uhren-Nutzung: Menschen wurden auf Uhren und ihre Rolle wütend, manche zerstörten sie mit Stöcken
Kirchturmuhr wurde wichtig (ein Bürgermeister wurde ermordet, weil er die Kirchturmuhr manipuliert hatte, damit die Menschen länger arbeiten mussten)

3. Industrielle Zeit:

Verlängerung der Arbeitszeit, weil Uhren und künstliches Licht allgegenwärtig waren und weil sich die teuren neuen Maschinen amortisieren sollten
Pünktlichkeit fing an eine große Rolle zu spielen
16-Stunden-Woche war keine Seltenheit!
Folge: verkürzte Lebenserwartung (woran aber verschiedene Faktoren schuld waren)

4. Jetzt-Zeit:

Arbeitszeit hat sich verkürzt auf 35h/Woche, zuletzt wieder auf 38h und sogar 40h erhöht
In Japan gibt es ein Wort für „Tod durch Arbeit“
In Japan verbringt man sehr viel Zeit am Arbeitsplatz = große Identifizierung mit der Firma (viel davon sind aber nur Anwesenheitsstunden)
Einerseits weniger Arbeitsstunden, andererseits viel höhere Produktivität als früher; Beispiel von Jaro : Berchtesgardener Salzstollen: früher 6 cm am Tag Salz durch Arbeiter abgetragen, heute 2 m am Tag mittels Maschinen

Wenn es dunkler wird: Ruhe kehrt ein

Was im Lauf des Abends besprochen wurde:

  • Technik führt zu Zeitersparnis, die wir aber durch gesteigerte Anforderung wieder verlieren;
  • Der dt.-südkorean. Philosoph Byung-Chul Han stellt in seinem Buch „Psychopolitik – Neoliberalismus und die neuen Machttechniken“ heraus, dass die heutigen Ansprüche an unsere eigene Leistungsfähigkeit zwar von uns kommen, aber gesteuert werden.
  • Spruch: „Den meisten Stress machen wir uns selbst“
  • Buchtipp: Tommy Jaud: „Einen Scheiß muss ich“ https://www.buch7.de/store/product_details/1029685258
  • Menschen beanspruchen heutzutage viel mehr Wohnraum für sich, die Wohnungen sind viel zu groß
  • Armut in D ist relativ – man fällt weich
  • Aber: Relative Armut, d.h. Armut im Vergleich zu anderen, ist entscheidender als absolute Armut. Ungerechtigkeit macht unglücklich und krank. Menschen kommen besser damit klar, wenn alle gleichermaßen arm sind.
    Die Glücklichsten Menschen findet man in Bangladesch https://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BMZ/Die_gluecklichsten_Menschen_der_Welt_17872644.html
    Langzeitarbeitslose haben eine geringere Lebenserwartung als der Bevölkerungsdurchschnitt
  • Auch Menschen in Frührente haben eine verkürzte Lebenserwartung im Vergleich zu denen, die weiterarbeiten
    In beiden Fällen weiß man aber nicht, ob es nicht daran liegt, dass die Betroffenen arbeitslos geworden sind oder in Frührente gegangen sind, weil sie schon vorher gesundheitlich angeschlagen waren
  • Resilienz = psychische Widerstandsfähigkeit, mit Ressourcen besser umgehen können
  • Filmtipp: „The Big Lebowski“ http://www.filmstarts.de/kritiken/16463.html + https://www.imdb.com/title/tt0118715/
  • Realität kannst du dir zum Teil auch selbst machen (man stellt sich z. B. seinen Ängsten und erkennt, dass man etwas kann oder es gar nicht so schlimm ist, wie gedacht)
  • „Positives Denken“ = Trend a. d. USA, kann Leute auch unglücklich machen, wegen falschen Vorstellungen die nicht eintreffen = „Schuster bleib bei deinen Leisten“ – Ehrgeiz = Anspruch zu hoch
  • Buchtipp: Jan Fleischhauer „Alles ist besser als noch ein Tag mit dir“ https://buch7.de/store/product_details/1029647777
  • Spruch: „Wer schnell arbeitet – arbeitet nicht gerne“
  • Spruch: „Mach dein Hobby zu deinem Beruf, dann musst du nie arbeiten“
  • Schule: die Kinder lernen nicht mehr zu denken = fremdbestimmtes Denken – sie wissen nach der Schule nicht mehr, was ihre eigentlichen Stärken sind
    Tipp: Neurobiologe + Lernforscher Gerald Hüther: „Wissen kann man nicht beibringen: immer mehr Kinder in Deutschland leiden unter hohem Stress. Ich sehe das nur als Symptom eines viel größeren Problems: wir behandeln unsere Kinder wie Objekte, die man nach Wunsch formen kann.“ https://www.br.de/nachrichten/gerald-huether-kinder-100.html
  • Viele ältere Menschen haben Konflikte mit ihren Kindern
  • Viele Menschen leiden heute unter Beziehungsschwierigkeiten, Beziehungslosigkeit, Einsamkeit
  • Im 18. Jhdt wurde die romantische Literatur erfunden, Liebesheirat + klassische Rollenverteilung: Frau ist daheim bei den Kindern, Mann geht arbeiten. Jedoch waren arrangierte Ehen oftmals glücklicher als die Liebesehen. Zu viele Optionen bedeuten Stress.
    Menschen aus der Glaubensgemeinschaft der Amish haben keine Depressionen https://www.welt.de/gesundheit/article10730169/Warum-die-Amish-People-im-Alter-so-topfit-sind.html#
  • Spruch: “Glück ist nicht, zu haben was man will, sondern zu wollen, was man hat“
  • Jordan B. Peterson empfiehlt, nach Bedeutung zu streben, statt nach Glück.
  • Hochzeitstag: als der glücklichste Tag im Leben angepriesen. Von diesem Versprechen lebt vor allem eine ganze Industrie: Geschenklistenersteller, Blumenbinder, Einladungskartendrucker, Gastwirte, Kreuzfahrtreisebüroangestellte, Konditoren, Pferdekutscher und Fotobuchproduzenten
  • Schon Hans Selye, der Erfinder des Wortes Stress, unterschied zwischen gutem und schlechtem Stress
  • Spruch: „Das Leben passiert jetzt“
  • Techniker Krankenkasse definiert die Stressfaktoren so: Dauer / Intensität / persönliche Bewertung
  • Sachgesellschaft
  • Selbstverantwortung
  • Technische Geräte sollen das Leben erleichtern, aber alles schreit nach noch mehr Aufmerksamkeit – alles muss immer noch schneller gehen (Waschmaschinen – dafür viel, viel mehr Wäsche zu waschen….), Auto – Computer – mehr Wege offen, mehr Zeit investieren ins reparieren, warten, ….
  • Soll-Grenze
  • Spruch: „Optionen erzeugen Stress!!!“ + „zu viel Auswahl macht unglücklich!“
  • Spruch: „Protect me from what I want“
  • Kapitalismus: wir sind heute Unternehmer unseres eigenen Ichs
  • Heute findet Überwachung ohne Geheimdienste statt (Selbstbewertung, Bewertung in den sozialen Medien)
  • Neoliberalismus: erzeugt reine Konsumenten
  • Neues Zeitalter: leitet das Zeitalter der Erschöpfung ein
  • Gesundheitstracker: zählt die Schritte
  • Selbstausbeutung
  • Transparenz
  • Panoptikum
  • Sinnfrage: 18. Jhdt Aufklärung

Nächster Salon am 18. Juli

Liebe Saloninteressenten,
1.) am 18.Juli, 18 Uhr findet unser nä. Salon statt.
Thema : „Warum sind wir alle am Anschlag?“
Heute bin ich zufällig über das aktuelle frz.Magazin gestolpert,
das genau unsere Frage stellt „Mit welcher Geschwindigkeit wollen wir durchs Leben gehen?“
Vielleicht sind ein paar Inspirationen für den Salon drin.
sehr aktuell: welche Geschwindigkeit passt zu uns?

Da der Bus wahrscheinlich schon weg ist, haben wir bei schlechten Wetter noch keinen Plan B,
bitte sagt vorher Bescheid, wenn Ihr kommen wollt.
2.) Apropos, ich möchte morgen 10.7. am Nachmittag u. am Mi.11.7. Vormittag den Bus noch leerräumen.
Hilfe willkommen, kommt gerne vorbei !
3.) Vielleicht könnt Ihr Sachen brauchen: Thermoskannen, Kissen, Tassen……
4.) Ausserdem würde ich mich über eine Mitfahr-Begleitung freuen (Mi.11.7. Nachmittag), beim Überführen des Busses nach Weilheim (Werkstatt).
5.) Ich bekomme in nä. Zeit verschiedene Büromöbel (gut erhalten, aus einem Büro in Haidhausen), Stühle, Tische, Schränke….
schreibt mir, wenn es Euch interessiert. Kostenlos. Allerdings gegen etwas Geld falls ich es transportieren sollte.
Beste Grüße
Alfred
(Bus) Salonier
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