Matrix Salon vom 16. Juli 2019

Die Idee zum Salon kam anlässlich des 20jähriges Jubiläums, des
Science-Fiction Klassiker. Es passiert auch nicht bei jedem Film,
dass ein Jubiläum so ein breites Echo in den Medien findet.
Rote oder blaue Pille ? Auf jeden Fall mit Bier ! Das war Kerstin´s Symbolblister (Senioren-Edition 🙂
1999: der Matrix-Film war der richtige Film zum richtigen Zeitpunkt. Er traf gleich
in mehrfacher Hinsicht den Zeitgeist:  eine technokratische
Prophezeiungen an der Schwelle zum neuen Zeitalter der Vernetzung und Künstlichen
Intelligenz, die Wucht philosophischer Grundfragen in der profanen und gleichzeitig
immer „magischeren“ Moderne, die Richtungsfrage des sich ohnmächtig-fühlenden Einzelnen
in der Massengesellschaft.
Die Vorlage der Matrix Triologie der Wachowski-Geschwister kommt aus der Comic-Welt, galt als „unverfilmbar“ und
setzte auch in filmtechnischer (Bullet-time) und ästhetisch-modischer Sicht Maßstäbe.
Von den 11 Leuten die zu diesem Salon in den Englischen Garten,
(unterhalb des Monopteros) kamen, waren 6 Leute bei Will´s Matrix-
Filmabend am Sa. zuvor.
Interessanter Weise war das Vorwissen als auch die Rezeption innerhalb der Salon-Runde sehr gemischt.
4 Leute waren bekennende Matrix-Fans, bei 3 können den Matrix-Kult nicht nachvollziehen und 4 Leute fanden
die Idee und Geschichte sehr gut, stoßen sich aber an der Action-Betontheit und an der Schnelligkeit der Filmbilder.
Es gab z.B. die Haltung, dass es zwar keinen so bildgewaltigen Actionfilm brauche, um über die Kernfragen nachzudenken,
aber auch die gegenteilige Ansicht, dass gerade dieses Medium es schaffe modern und ansprechend die philosphischen
Fragen nach Realität und Fiktion, Freiheit und Kontrolle, Technik und Menschsein zu stellen.
Matrix ist ein Film der auf verschiedenen Ebenen funktioniert: als Cyberpunk-Heldenepos oder als psychologische Studie über
Freiheit, Hedonismus, Verrat, Verantwortung. Als politisches Statement über die Kontrollmacht eines technokratischen Totalismus und
die ökologische Unverantwortlichkeit des Menschen.
Der philosophische rote Faden  „was ist die Welt?“ , „was ist Realität?“, „was ist der Sinn?“ korrespondierend mit einer sehr
konkreten Zeichnung einer übertechnisierten Welt, die dem Menschen schon längst entglitten ist.
Es ist die Detailversessenheit der Filmemacher (z.B. wurden die Hauptdarsteller monatelang von Kungfu-Guru Woo-Ping sehr hart trainiert),
die die abstrakten Themen glaubwürdig in die Geschichte einbetten. Und vielleicht lernen Menschen mehr durch emotionale Unterhaltung
als durch dröge Theorievorlesung.
Eine Überraschung des Salons waren die verschiedensten Deutungen.
Einige Gäste sahen in der Versklavung des Menschen eindeutige Parallelen zur Versklavung der Tiere (Massentierhaltung).
Die Versklavungsmetapher deutete ein Gast (unter Zustimmung anderer Gäste) als klare Kritik am Geldsystem mit sehr klaren Parallelen
zu den Grauen Herren in Michael Ende´s „Momo“.
Die Konditionierung der Matrix erinnerte einen Gast an die selbst erlebte Konditionierung durch die Katholische Kirche.
Alle gemeinsam waren wir beeindruckt wie detailliert und in sich schlüssig im Matrix-Film (vor 20 Jahren !) das Szenario dargestellt wurde, dass die Menschen
von einem anonymen-technokratischen System gesteuert bzw. versklavt werden und dies obendrein noch gar nicht bemerken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.