Tod in der Machbarkeitsgesellschaft

Zusammenfassung Salon „Tod in unserer Machbarkeitsgesellschaft“
am 27.2.2019, bei mir in West-Schwabing, insg. 13 Teilnehmer
 
Auch wenn der Titel eher philosophisch-distanziert klang, so haben wir uns auf einer
sehr persönlichen Ebene ausgetauscht. Es hat sich im Salon bewährt von der persönlichen
Ebene auszugehen. Eine philosophisch-allgemeine Ebene kann dazu kommen, aber
der persönliche Ausgangspunkt fördert den Zugang zueinander u. verhindert ein allzu leichtes Abgleiten
ins Abstrakt-Beliebige.
Insofern schimmerte der Titel nur sehr leicht durch am Abend mit kleinen Ausflügen in Richtung
Silicon Valley u. ihr Kampf gegen den Tod, Transhumanismus und digitales Weiterleben.
Wir streiften das Thema „Organverpflanzung“ und Phänomene der Verbindung und Entfremdung zwischen
Toten und Überlebenden.
Der Kern des Abends waren aber unsere persönlichen Zugänge zum Thema: Heide-Marie war zum ersten
Mal beim Salon und war mutig genug von der Nachtod-Kommunikation mit ihrer sehr nahestehenden, sich selbst getöteten
Nichte zu berichten. Sie hatte dies vorgelesen. Der Text handelten von den seelischen Dilemmata, ihr Verhältnis zu
den Lebenden und Toten u. ihrer Entwicklung. Ich persönlich fand es nachvollziehbar u. zugänglich, obwohl ich selbst
keine ähnlichen Erfahrungen machte. In der Runde berührte diese Selbsterfahrung, wobei auch von einem Salongast
betont wurde, dass sie dies nicht nachvollziehen konnte. Obwohl viele kritische Operationen überlebend, dominiert bei ihr
immer noch ihre familäre Sichtweise des baren Materialismus.
Das ist das was ich mitgenommen habe, der Tod hat für jeden von uns so unterschiedliche Bedeutung, mehrere auch für uns
selbst und widersprüchlich. Der Tod ist also wie das Leben selbst ein Phänomen u. kann nicht mit einem Motto, mit einem positiven
oder negativen Fazit abgeschlossen werden. Es wurde berichtet von Verwandten, die friedlich einschliefen obwohl sie nicht
religiös waren, aber auch von schrecklichen Sterbeprozessen. Überhaupt wurde unterschieden zwischen Sterben und Tod. Sterben macht Angst,
der Tod nicht so sehr. Keine Angst vor dem Tod, der Standard-Satz des modernen Menschen, aber ist das auch ehrlich ? Warum ist es
üblich seine Angst vor dem Tod zu leugnen ? Sind wir wirklich so abgeklärt ? Wir fanden heraus, dass der Tod ein Motor ist für uns, wir
wollen etwas hinterlassen, wir wollen die Welt verbessern, unseren Nachkommen einen besseren Planeten hinterlassen. Aber warum machen wir angesichts
der eigenen Begrenztheit soviel destruktiv, banales, egostisches ? Zumindest liegt dann keine gesunde Mischung vor. Wir brauchen diese Mischung aus „Memento Mori“
und gesunder Verdrängung. Vielen Salon-Gästen lag dieser Spruch auf der Lippe über das Paradoxon des gesunden Lebens, ich hoffe der Spruch von Gandhi geht in die
gemeinte Richtung (google sei dank :-): Lebe, als würdest du morgen sterben. Lerne, als ob du ewig leben solltest. – Mahatma Gandhi
Apropos Paradoxon, Andreas erwähnte den Roman von Simon de Beauvoir „Alle Menschen sind sterblich“ in der die Unsterblichkeit der Hauptfigur zu einem großen Lebensüberdruß führte, weil sich alles wiederholt, weil paradoxerweise erst die Begrenztheit des Lebens zur Wertschätzung führt, so die Aussage des Buches.
 
Die Durchlässigkeit zwischen Leben und Tod im Gegensatz zur verankerten Vorstellung von Entweder-Oder wurde sehr eindrucksvoll von Andrea beschrieben, über ihren Abschied zu ihrer dementen Mutter. Der Tod fängt einerseits früher an, aber die geistige Verbindung hält andererseits auch über den Tod an. Kann anhalten. Je nach Veranlagung, je nach Einstellung.
Vielleicht haben wir auch alle unterschiedliche Aufgaben im Leben und damit auch im Zus.hang mit dem Tod.
 
Ein überraschend großen Anteil am Salon-Abend nahm das Thema Verabschiedungs-Beerdigungs-Rituale ein. Es wurde von gelungenen und auch misslungenen Beerdigungen berichtet. 
Fazit war: wir brauchen persönliche u. authentische Rituale ! Die Zeiten, in denen ein neutrales Ritual und ein unbekannter Priester Trost spendet, sind vorbei. Wir sehnen uns nach Beziehung, nach einer persönlichen Note, nach einem Austausch.