Salon „Warum leben wir alle so am Anschlag (gestresst)“

 

Datum 18.7.18,  18 – 23 Uhr
Ort: Vorplatz neben Halle 6, Kreativquartier
Teilnehmerzahl : 14

Jeder Teilnehmer legte einen „Stress-Gegenstand“ in die Mitte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kerstins Kurzreferat: „Wie lange Menschen gearbeitet haben – Sozialstudie“

banal, aber faszinierende Informationen gefunden
Impulsfrage für heute: Wie viel Arbeit ist gesund für die Spezies Mensch?

1. Steinzeit:

Ethnologen beobachten Nomaden, die noch wie die früheren Jäger und Sammler leben (Botswana, Australien, Amazonas) – sie arbeiten nur jeden 2. Tag für 2-6 Stunden (Haushalt schon dazugerechnet)
Annas Anregung dazu: Ur-Völker haben noch die Gabe zu sehen (die Natur zu betrachten), wir hingegen haben verlernt zu sehen, zu hören, zu erzählen. Unsere Gedanken scheinen immer auf Hochtouren zu laufen – das Gehirn braucht immer wieder neue Impulse

2. Vor-Industrielle, landwirtschaftlich geprägte Zeit:

der Arbeitszeit sind natürliche Grenzen gesetzt mit Licht und Jahreszeiten
französische Weinbauern einer bestimmten Region lagen den ganzen Winter über in den Betten, um Energie zu sparen
Arbeitszeit wurde lange ohne Uhren gemessen: Beispiel: „wenn man 2 Münzen voneinander unterscheiden kann, ist Arbeitsbeginn“ oder „wenn man Menschen auf der Straße erkennen kann…..“
Anfänge der Uhren-Nutzung: Menschen wurden auf Uhren und ihre Rolle wütend, manche zerstörten sie mit Stöcken
Kirchturmuhr wurde wichtig (ein Bürgermeister wurde ermordet, weil er die Kirchturmuhr manipuliert hatte, damit die Menschen länger arbeiten mussten)

3. Industrielle Zeit:

Verlängerung der Arbeitszeit, weil Uhren und künstliches Licht allgegenwärtig waren und weil sich die teuren neuen Maschinen amortisieren sollten
Pünktlichkeit fing an eine große Rolle zu spielen
16-Stunden-Woche war keine Seltenheit!
Folge: verkürzte Lebenserwartung (woran aber verschiedene Faktoren schuld waren)

4. Jetzt-Zeit:

Arbeitszeit hat sich verkürzt auf 35h/Woche, zuletzt wieder auf 38h und sogar 40h erhöht
In Japan gibt es ein Wort für „Tod durch Arbeit“
In Japan verbringt man sehr viel Zeit am Arbeitsplatz = große Identifizierung mit der Firma (viel davon sind aber nur Anwesenheitsstunden)
Einerseits weniger Arbeitsstunden, andererseits viel höhere Produktivität als früher; Beispiel von Jaro : Berchtesgardener Salzstollen: früher 6 cm am Tag Salz durch Arbeiter abgetragen, heute 2 m am Tag mittels Maschinen

Wenn es dunkler wird: Ruhe kehrt ein

Was im Lauf des Abends besprochen wurde:

  • Technik führt zu Zeitersparnis, die wir aber durch gesteigerte Anforderung wieder verlieren;
  • Der dt.-südkorean. Philosoph Byung-Chul Han stellt in seinem Buch „Psychopolitik – Neoliberalismus und die neuen Machttechniken“ heraus, dass die heutigen Ansprüche an unsere eigene Leistungsfähigkeit zwar von uns kommen, aber gesteuert werden.
  • Spruch: „Den meisten Stress machen wir uns selbst“
  • Buchtipp: Tommy Jaud: „Einen Scheiß muss ich“ https://www.buch7.de/store/product_details/1029685258
  • Menschen beanspruchen heutzutage viel mehr Wohnraum für sich, die Wohnungen sind viel zu groß
  • Armut in D ist relativ – man fällt weich
  • Aber: Relative Armut, d.h. Armut im Vergleich zu anderen, ist entscheidender als absolute Armut. Ungerechtigkeit macht unglücklich und krank. Menschen kommen besser damit klar, wenn alle gleichermaßen arm sind.
    Die Glücklichsten Menschen findet man in Bangladesch https://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BMZ/Die_gluecklichsten_Menschen_der_Welt_17872644.html
    Langzeitarbeitslose haben eine geringere Lebenserwartung als der Bevölkerungsdurchschnitt
  • Auch Menschen in Frührente haben eine verkürzte Lebenserwartung im Vergleich zu denen, die weiterarbeiten
    In beiden Fällen weiß man aber nicht, ob es nicht daran liegt, dass die Betroffenen arbeitslos geworden sind oder in Frührente gegangen sind, weil sie schon vorher gesundheitlich angeschlagen waren
  • Resilienz = psychische Widerstandsfähigkeit, mit Ressourcen besser umgehen können
  • Filmtipp: „The Big Lebowski“ http://www.filmstarts.de/kritiken/16463.html + https://www.imdb.com/title/tt0118715/
  • Realität kannst du dir zum Teil auch selbst machen (man stellt sich z. B. seinen Ängsten und erkennt, dass man etwas kann oder es gar nicht so schlimm ist, wie gedacht)
  • „Positives Denken“ = Trend a. d. USA, kann Leute auch unglücklich machen, wegen falschen Vorstellungen die nicht eintreffen = „Schuster bleib bei deinen Leisten“ – Ehrgeiz = Anspruch zu hoch
  • Buchtipp: Jan Fleischhauer „Alles ist besser als noch ein Tag mit dir“ https://buch7.de/store/product_details/1029647777
  • Spruch: „Wer schnell arbeitet – arbeitet nicht gerne“
  • Spruch: „Mach dein Hobby zu deinem Beruf, dann musst du nie arbeiten“
  • Schule: die Kinder lernen nicht mehr zu denken = fremdbestimmtes Denken – sie wissen nach der Schule nicht mehr, was ihre eigentlichen Stärken sind
    Tipp: Neurobiologe + Lernforscher Gerald Hüther: „Wissen kann man nicht beibringen: immer mehr Kinder in Deutschland leiden unter hohem Stress. Ich sehe das nur als Symptom eines viel größeren Problems: wir behandeln unsere Kinder wie Objekte, die man nach Wunsch formen kann.“ https://www.br.de/nachrichten/gerald-huether-kinder-100.html
  • Viele ältere Menschen haben Konflikte mit ihren Kindern
  • Viele Menschen leiden heute unter Beziehungsschwierigkeiten, Beziehungslosigkeit, Einsamkeit
  • Im 18. Jhdt wurde die romantische Literatur erfunden, Liebesheirat + klassische Rollenverteilung: Frau ist daheim bei den Kindern, Mann geht arbeiten. Jedoch waren arrangierte Ehen oftmals glücklicher als die Liebesehen. Zu viele Optionen bedeuten Stress.
    Menschen aus der Glaubensgemeinschaft der Amish haben keine Depressionen https://www.welt.de/gesundheit/article10730169/Warum-die-Amish-People-im-Alter-so-topfit-sind.html#
  • Spruch: “Glück ist nicht, zu haben was man will, sondern zu wollen, was man hat“
  • Jordan B. Peterson empfiehlt, nach Bedeutung zu streben, statt nach Glück.
  • Hochzeitstag: als der glücklichste Tag im Leben angepriesen. Von diesem Versprechen lebt vor allem eine ganze Industrie: Geschenklistenersteller, Blumenbinder, Einladungskartendrucker, Gastwirte, Kreuzfahrtreisebüroangestellte, Konditoren, Pferdekutscher und Fotobuchproduzenten
  • Schon Hans Selye, der Erfinder des Wortes Stress, unterschied zwischen gutem und schlechtem Stress
  • Spruch: „Das Leben passiert jetzt“
  • Techniker Krankenkasse definiert die Stressfaktoren so: Dauer / Intensität / persönliche Bewertung
  • Sachgesellschaft
  • Selbstverantwortung
  • Technische Geräte sollen das Leben erleichtern, aber alles schreit nach noch mehr Aufmerksamkeit – alles muss immer noch schneller gehen (Waschmaschinen – dafür viel, viel mehr Wäsche zu waschen….), Auto – Computer – mehr Wege offen, mehr Zeit investieren ins reparieren, warten, ….
  • Soll-Grenze
  • Spruch: „Optionen erzeugen Stress!!!“ + „zu viel Auswahl macht unglücklich!“
  • Spruch: „Protect me from what I want“
  • Kapitalismus: wir sind heute Unternehmer unseres eigenen Ichs
  • Heute findet Überwachung ohne Geheimdienste statt (Selbstbewertung, Bewertung in den sozialen Medien)
  • Neoliberalismus: erzeugt reine Konsumenten
  • Neues Zeitalter: leitet das Zeitalter der Erschöpfung ein
  • Gesundheitstracker: zählt die Schritte
  • Selbstausbeutung
  • Transparenz
  • Panoptikum
  • Sinnfrage: 18. Jhdt Aufklärung

Nächster Salon am 18. Juli

Liebe Saloninteressenten,
1.) am 18.Juli, 18 Uhr findet unser nä. Salon statt.
Thema : „Warum sind wir alle am Anschlag?“
Heute bin ich zufällig über das aktuelle frz.Magazin gestolpert,
das genau unsere Frage stellt „Mit welcher Geschwindigkeit wollen wir durchs Leben gehen?“
Vielleicht sind ein paar Inspirationen für den Salon drin.
sehr aktuell: welche Geschwindigkeit passt zu uns?

Da der Bus wahrscheinlich schon weg ist, haben wir bei schlechten Wetter noch keinen Plan B,
bitte sagt vorher Bescheid, wenn Ihr kommen wollt.
2.) Apropos, ich möchte morgen 10.7. am Nachmittag u. am Mi.11.7. Vormittag den Bus noch leerräumen.
Hilfe willkommen, kommt gerne vorbei !
3.) Vielleicht könnt Ihr Sachen brauchen: Thermoskannen, Kissen, Tassen……
4.) Ausserdem würde ich mich über eine Mitfahr-Begleitung freuen (Mi.11.7. Nachmittag), beim Überführen des Busses nach Weilheim (Werkstatt).
5.) Ich bekomme in nä. Zeit verschiedene Büromöbel (gut erhalten, aus einem Büro in Haidhausen), Stühle, Tische, Schränke….
schreibt mir, wenn es Euch interessiert. Kostenlos. Allerdings gegen etwas Geld falls ich es transportieren sollte.
Beste Grüße
Alfred
(Bus) Salonier
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Zäsur im Busprojekt

Hi Liebe Freunde der Bus-Idee,
 
vielleicht ist es Euch schon zu Ohren gekommen. Habe mich entschlossen den Bus wieder herzugeben u. das Projekt zumindest mit dem Bus aufzugeben.
Der Bus in der jetzigen Form macht kein Sinn, er müsste innen neu konzipiert werden, aussen schön gemacht (das war von Anfang an klar).
Technisch braucht er sehr viel Aufmerksamkeit, vielmehr als ich es von einem Diesel erwartete :-/.
ein so alter Bus ist eine Diva, kein anspruchsloses Arbeitstier
Einnahmen im Moment 0 .
Ausgaben aber stetig durch 2 Vers. u. KFZ-Steuer plus Wartungsarbeiten.
Risiko größerer Schäden (Ersatzteilproblem) im Hintergrund.
Freunde / Bekannte um mich herum zeitlich sehr am Anschlag.
Kooperation hält sich in Grenzen durch Zeitproblem, „Konkurrenzveranstaltungen“, Prioritätensetzungen.
Mit Kulturreferat länger gesprochen, für diese ist es nur interessant, wenn der Bus konzeptionell komplett da steht, kein Interesse an Aufbauarbeit u. sie kennen auch niemand, der Interesse daran hätte.
 
Die Idee ist ja nicht tot. In der Konstellation muss ich die Bremse ziehen.
 
Webseite und Facebookauftritt bleiben bestehen: es geht um die Themen #Debattenkultur #konstruktive Konfliktlösungen #Bürgerbeteiligung #Öffentlicher Raum #Social Business .
 
Unsere Salons werden wir unabhängig vom Bus weiterführen.
 
Beste Grüße
Alfred Weiß